Das Stundengebet

E-Mail Drucken PDF

sept_fons_0020Das Stundengebet (lat. liturgia horarum), auch Tagzeitenliturgie genannt, ist eine Antwort der Kirche auf das Apostelwort „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17 EU) und das Psalmwort „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob und nachts stehe ich auf, um dich zu preisen.“ (vgl. Ps 119,62.164 EU). Sinn des Stundengebets ist es, einzelne Tageszeiten mit ihrer Besonderheit vor Gott zu bringen und zugleich das Gebet der Kirche rund um die Erde nicht abreißen zu lassen.

Die liturgischen Bücher, die die Texte des Stundengebets enthalten, heißen Stundenbuch (katholisch). Die für die Weltpriester gedachte Kurzform des monastischen Stundengebetes wurde vor seiner Reform auch Brevier (lat.: breve = kurz) genannt.

 

Geschichte

Aus der jüdischen Tradition, drei Mal am Tag zu beten, entwickelte die frühe Kirche im Zuge ihrer Abspaltung vom Judentum die Vorstufe des heutigen Stundengebets, das im Urchristentum noch gemeindegottesdienstlichen Charakter hatte. Die jüdische Tradition, die Psalmen des Alten Testaments zu beten, führten die Christen fort. Daneben wurden christliche Hymnen gesungen und das Vaterunser gebetet. Diese Texte sind noch heute wesentlicher Bestandteil des Stundengebets. (vgl. hierzu die die frühen überlieferten Kichenordnungen der Didache – „Zwölf-Apostel-Lehre“, ca. Anfang des 2. Jahrhunderts – und der Traditio Apostolica – „Apostolische Überlieferung“, ca. 5. Jahrhunderts).

Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Stundengebets hatte das Aufkommen des christlichen Mönchtums ab dem 3. Jahrhundert. Für Mönche machte das Stundengebet einen wesentlichen Teil ihres Tages aus, so dass die einzelnen Gebetszeiten entsprechend lang waren. Üblich für Mönche war es, täglich alle 150 Psalmen zu beten.

Im östlichen Christentum behielt das Stundengebet stets seine zentrale Rolle im Gemeindeleben. Im westlichen Christentum hingegen wurde der Umfang des täglichen Stundengebets in Gemeinde- und Klosterleben angeglichen, sodass alle 150 Psalmen mindestens im Laufe einer Woche gebetet wurden, sodass dieses Pensum im Grunde nur noch von Ordensleuten und Klerikern bewältigt werden konnte. In der westlichen Kirche und nach der Reformation in der katholischen Kirche behielt das Stundengebet bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil seine Stellung als Standesgebet der Ordensleute und Kleriker, zum einen wegen seines Umfangs und zu anderen wegen des verpflichtenden Vollzugs auf Latein.

Im Zuge der Liturgiereform wurde das Stundengebet in der katholischen Kirche vom Umfang her erheblich reduziert. So werden heute üblicherweise noch fünf Gebetszeiten (Laudes, Mittagshore – bzw. nach Wahl eine der kleinen Horen Terz, Sext oder Non – Vesper, Komplet und die Lesehore) täglich vollzogen und die 150 Psalmen (unter wenigen Auslassungen, z. B. Fluchpsalmen) auf vier Wochen verteilt. Außerdem kann das Stundengebet nunmehr auch in der Landessprache gebetet werden.

 

Abfolge der Gebetszeiten

Zur Abfolge der Gebetszeiten sei zunächst angemerkt, dass sich die Einteilung nach der antiken Zeitrechnung richtet. Der Tag war damals die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; er wurde in zwölf gleich lange Stunden eingeteilt. Wie lang eine solche Stunde war, hing von der Länge der Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ab, war damit also sowohl regional verschieden als auch zu den einzelnen Jahreszeiten unterschiedlich. Als ungefähre Umrechnung in unsere heutige Zeiteinteilung kann die erste Stunde des Tages auf etwa 6 Uhr angesetzt werden.

In der katholischen Kirche ist das Stundengebet das offizielle Gebet der Kirche, zu dessen vollständigem Vollzug alle Bischöfe, Priester, Diakone mit Anwartschaft auf das Presbyteriat, die geweihten Jungfrauen und die Ordensleute verpflichtet sind, die das Stundengebet nicht nur zur persönlichen Tagesheiligung, sondern auch stellvertretend für die ihnen anvertrauten Gläubigen beten und damit einen liturgischen Dienst vollziehen. Ständige Diakone sind formal nur zum Gebet von Laudes und Vesper verpflichtet. Auch alle übrigen Gläubigen sind zum Vollzug eingeladen, je nach ihren Lebensumständen. Die Psalmen und sonstigen Texte können dabei feierlich gesungen (Psalmodie) oder einfach gesprochen werden. Das Rezitieren der Psalmen im Tonus rectus dagegen ist weitgehend ungebräuchlich geworden.

Ursprünglich gab es acht verschiedene Gebetszeiten, die heute auf sieben, teilweise auch fünf verkürzt sind. In der katholischen Kirche wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch der Ablauf der einzelnen Horen, der ursprünglich vor allem zwischen den sogenannten kleinen und großen Horen beträchtliche Unterschiede aufwies, vereinheitlicht.

Invitatorium (lat.: „Einladung“):

Das Invitatorium steht als Eröffnung stets vor der ersten Gebetszeit (Lesehore bzw. Matutin/Vigil oder Laudes) eines Tages. Es besteht aus dem dem Ruf „V/Herr, öffne meine Lippen. R/ Damit mein Mund Dein Lob verkünde.“ sowie dem responsorisch vorgetragenen Psalm 95 („Kommt, laßt uns jubeln vor dem Herrn und zujauchzen dem Fels unseres Heiles“). Dieser Psalm kann auch durch Ps 24, Ps 67 oder Ps. 100 ersetzt werden.

Lesehore:

Sie kann zu jeder Tageszeit gefeiert werden und dient im wesentlichen der geistlichen Vertiefung der Heiligen Schrift sowie der theologischen Überlieferung. Daher stehen diese Lesungen auch im Mittelpunkt; bei der theologischen Überlieferung wird gerne auf die sog. Väterlesungen zurückgegriffen, d. h. auf Werk früher Kirchenväter (z. B. Augustinus et al.). Die Lesehore kann vor Hochfesten und Sonntagen zur Vigil erweitert werden, aus der sie historisch erwachsen ist:

Vigil (lat.: „Wache“):

Die Vigil, auch Matutin (eingedeutscht „Mette“) genannt, ist die erste Gebetszeit des mönchischen Tages. Sie wird in der Nacht oder am frühen Morgen verrichtet, in manchen Ordensgemeinschaften auch am Vorabend. Am Hochfest der Geburt des Herrn (Weihnachten – Christmette) und dem Hochfest der Auferstehung des Herrn (Ostern – Osternacht) wird die Vigil als Nachtwache gehalten. Die Osternacht ist für die Kirche die „Mutter aller Vigilien“. In der Benediktusregel wird als Beginn der Vigil die achte Stunde der Nacht genannt (vgl. ebd. Kap. 8), was etwa 02:00 Uhr entspricht. Nach der Eröffnung Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde wird ein Psalm als Gebetseinladung (Invitatorium) gebetet, gefolgt von einem Hymnus. Hieran schließen zwei oder drei Abschnitte Nokturnen an. Jede Nokturn besteht aus mehreren Psalmen und einer anschließenden längeren Lesung. Die Lesung der ersten Nokturn stammt ist der Heiligen Schrift entnommen, die der zweiten Nokturn geistlicher Literatur, vor allem den Kirchenvätern. An Sonntagen und Hochfesten schließt sich eine dritte Nokturn an, in der statt Psalmen biblische Cantica gesungen werden. Im Anschluss wird das Evangelium des Sonntags oder Hochfestes vorgetragen und das Te Deum gesungen. Den Abschluss der Matutin bildet das Tagesgebet. Die vollständige Vigil wird heute nur noch von einigen monastischen Orden gebetet. Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils kann an die Stelle der Vigil die Lesehore des Stundenbuches, die zu einem beliebigen Zeitpunkt des Tages gebetet werden kann, an die Stelle der Vigil treten.

Laudes:

Die Laudes werden bei Tagesanbruch gehalten, da die aufgehende Sonne ein Symbol für Christus ist, dem mit den Laudes Lob dargebracht wird. Die Laudes werden üblicherweise zwischen 06:00 Uhr und 08:00 Uhr morgens gehalten. Sie bestehen aus Eröffnung, Hymnus, Morgen- und Lob-Psalmen, alttestamentlichem Canticum, Schriftlesung, Responsorium, Benedictus, Fürbitten, Vater unser, Tagesgebet und Segen. In den Fürbitten der Laudes wird um besonderer Weise für das gute Gelingen und die Heiligung des neuen Tages gebetet.

Prim, Terz, Sext, Non (kleine Horen): Im Laufe des Tages soll die Arbeit drei Mal von den sogenannten kleinen Horen unterbrochen werden: zur dritten Stunde (ca. 09:00 Uhr) von der Terz, zur sechsten Stunde (ca. 12:00 Uhr) von der Sext und zur neunten Stunde (ca. 15:00 Uhr) von der Non. Früher wurde außerdem zur ersten Stunde (ca. 06:00 Uhr), meist unmittelbar vor den Laudes, noch die Prim gebetet. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Prim jedoch als Doppelung zu den Laudes abgeschafft. Im Stundengebet vieler Orden werden Terz, Sext und Non heutzutage zu einer Tageshore zusammengefasst. Nur noch im Stundengebet der Kartäuser ist die Prim erhalten geblieben.

Vesper:

Die Vesper bildet zusammen mit den Laudes die Angelpunkte des Stundengebetes. Die Vesper besteht aus Eröffnung, Hymnus, Psalmen, neutestamentlichem Canticum, Schriftlesung, Responsorium, Magnificat, Fürbitten, Vater unser, Tagesgebet und Segen. Ist die Vesper die letzte Hore des Tages, die in Gemeinschaft gebetet wird, wird meist eine Marianische Antiphon angefügt. Mit der Vesper endet die Arbeit des Tages. Gebetet wird sie etwa gegen 18:00 Uhr. Jeder Sonntag und jedes Hochfest (Ausnahme Ostern) beginnt mit der „ersten Vesper“, die schon zur Gebetszeit des Sonntages oder Hochfestes zählt.

Komplet:

Die Komplet ist das Nachtgebet, mit dem der Tag beendet wird. Ihr geht in der Regel eine Gewissenserforschung mit dem nachfolgenden Schuldbekenntnis voraus. Die Komplet besteht aus einem Hymnus, Psalmen (traditionell die Psalmen 4 EU, 134 EU und 91 EU), der Kurzlesung, dem neutestamentlichen Gesang Nunc dimittis (Lk 2,29-32 EU), der Oration und dem Segen für die Nacht. Danach gilt in den monastischen Orden bis zum Morgen das nächtliche Stillschweigen.


Psalmenordnung der Kartäuser

Hier finden sie als Beispiel die Gebetsordnung der Kartäusermönche und -schwestern aufgelistet. Dieser kontemplative, also sehr gebetsintensive, Orden betet den gesamten Psalter (alle 150 Psalmen) innerhalb einer Woche. In anderen Orden werden die Gebete auf 2, 3 oder sogar 4 Wochen aufgeteilt. Trotz alledem ist die folgende Übersicht sehr nützlich.

 

Gebetszeiten

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz::
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

0:00
3:00
6:00
9:00
12:00
15:00
18:00
21:00

 

Mehrere Gebetszeiten können zu einer größeren Gebetszeit zusammengefügt werden.

Tägliches Invitatorium: Psalm 94.

Sonntag

 

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz:
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

 

I. 1, 2, 3. II. 8, 9(1), 9(2). III. 9(3), 9(4), 10.
92, 99, 62, 148.
117, 118(1), 118(2).
118(3), 118(4), 118(5).
118(6), 118(7), 118(cool.
118(9), 118(10), 118(11).
109, 110, 111, 112, 113.
4, 90, 133.

Montag

 

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz:
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

 

I. 13, 14, 16. II. 17(1), 17(2), 17(3). III. 19, 20, 29.
46, 5, 28, 116.
23, 18(1), 18(2).
26(1), 26(2), 27.
30(1), 30(2), 30(3).
31, 32(1), 32(2).
114, 115, 119, 120, 121.
6, 7(1), 7(2).

Dienstag

 

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz:
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

 

I. 34(1), 34(2), 34(3). II. 36(1), 36(2), 36(3). III. 37(1), 37(2), 38.
95, 42, 66, 134.
24(1), 24(2), 24(3).
39(1), 39(2), 39(3).
40, 41(1), 41(2).
43(1), 43(2), 43(3).
122, 123, 124, 125, 126.
11, 12, 15.

Mittwoch

 

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz:
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

 

I. 44(1), 44(2), 45. II. 47, 48(1), 48(2). III. 49(1), 49(2), 50.
96, 64, 100, 145.
25, 51, 52.
53, 54(1), 54(2).
55, 56, 57.
58(1), 58(2), 59.
127, 128, 129, 130, 131.
33(1), 33(2), 60.

Donnerstag

 

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz:
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

 

I. 61, 65(1), 65(2). II. 67(1), 67(2), 67(3). III. 68(1), 68(2), 68(3).
97, 89, 35, 146.
22, 71(1), 71(2).
72(1), 72(2), 72(3).
73(1), 73(2), 73(3).
74, 75(1), 75(2).
132, 135(1), 135(2), 136, 137.
69, 70(1), 70(2).

Freitag

 

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz:
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

 

I. 77(1), 77(2), 77(3). II. Zweites Nocturnum 77(4), 77(5), 77(6). III. 78, 80, 82.
98, 142, 84, 147.
21(1), 21(2), 21(3).
79(1), 79(2), 81.
83(1), 83(2), 86.
88(1), 88(2), 88(3).
138(1), 138(2), 139, 140, 141.
76(1), 76(2), 85.

Samstag

 

Vigilien:
Laudes:
Prim:
Terz:
Sext:
Non:
Vesper:
Komplet:

I. 104(1), 104(2), 104(3). II. 105(1), 105(2), 105(3). III. 106(1), 106(2), 106(3).
149, 91, 63, 150.
93(1), 93(2), 107.
101(1), 101(2), 101(3).
103(1), 103(2), 103(3).
108(1), 108(2), 108(3).
143(1), 143(2), 144(1), 144(2), 144(3).
87, 102(1), 102(2).

Weiterführendes

 

Zum Seitenanfang

 

Schriftgröße

Increase Font Size Option 7 Reset Font Size Option 7 Decrease Font Size Option 7

Hinweise

Besucher

Es sind 11 Gäste online

Chat

Klicken Sie hier, um zu sehen wer gerade chattet!

Support

Bitte unterstützen Sie uns kurz, indem Sie einfach 1x auf die drei Banner klicken (sortiert nach Wichtigkeit). Vergelts Gott!



** Christliche Surftipps **

Listinus Toplisten

Unterstützung

Helfen Sie mit, Kathwahrheit in Ihrem Umfeld bekannter zu machen und unterstützen Sie uns durch Linktausch, Werbung, Banner etc.  Weiterlesen...

Gebetsgemeinschaft

Beten Sie für- und miteinander für Ihre persönlichen Anliegen, jene von Kathwahrheit.de und unsere Welt! Bislang beten 81 Mitglieder. Weiterlesen...

Priesterjahr

Das ereignisreiche Jahr des Priesters ist vollbracht. Lesen Sie die abschließende Ansprache Papst Benedikt XVI. (+mehr) hier! Weiterlesen...

 

 

Verbundenheit

In tiefer Treue und Loyalität zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche sowie zum Heiligen Vater Benedikt XVI. Weiterlesen...