Das Alte Testament (abgekürzt AT; von lat. testamentum „Bund“) ist die übliche christliche Bezeichnung für die ins Griechische übertragene jüdische Sammlung biblischer Bücher, die im Wesentlichen den Tanach umfasst. Diese Schriftensammlung bildet zusammen mit dem Neuen Testament (abgekürzt NT) die Heilige Schrift des Christentums.
Überblick
Hellenistisch geprägte Juden hatten den ursprünglich auf Hebräisch abgefassten Tanach bereits seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. ins Griechische übersetzt. Diese Septuaginta(LXX) haben Christen zunächst als ihr AT übernommen und kanonisiert.
In der Spätantike wurden AT und NT zusammen ins Lateinische übersetzt: Diese Vulgata blieb lange Zeit die Version, in der das AT im Katholizismus verbreitet war. Erst in der Renaissance entdeckten Humanisten hebräische Bibelhandschriften der Masoreten wieder, die ihnen im 16. Jahrhundert als „Urtext" des AT galten. Martin Luther hat diesen Text nach einer Vorlage des Erasmus von Rotterdam ins Deutsche übertragen. Seine Lutherbibel wurde in den evangelischen Kirchen eingeführt.
Das Attribut „alt“ wurde im christlichen Antijudaismus oft im Sinne von „überholt", „abgelöst" und „ungültig" verstanden und gebraucht. Um diese Abwertung des Tanach und damit auch des Judentums zu vermeiden, wird das Alte Testament heute von christlicher Theologie und Kirchen auch „Erstes Testament" oder „Hebräische Bibel“ genannt.
Der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo prägte den von den Reformatoren wieder aufgegriffenen, berühmten Satz:
Novum Testamentum in Vetere latet, et in Novo Vetus patet: „Das Neue Testament liegt im Alten verborgen, das Alte wird im Neuen aufgedeckt/offenbar.“
Gemeint ist, dass Christus und sein Erlösungswerk am Kreuz bereits im Alten Testament angedeutet werden. Dafür werden nicht nur einzelne Passagen wie Psalm 22 oder Jesaja 53 herangezogen, sondern vielmehr der Sinn des gesamten Alten Testaments, das zeigen möchte, dass der Mensch - selbst, wenn er es versucht - Gottes Gebote nicht halten kann (vgl. z.B. Römerbrief Kapitel 3 und 7, Galaterbrief). Damit wird das Neue Testament als Fortsetzung des Alten gesehen, ohne das es keine Wurzel und Basis hätte.
Inhalt und Einteilung des Ersten ("Alten") Testaments
Es werden 46 Bücher zum Alten Testament gezählt, eingeteilt in
* den Pentateuch (die fünf Bücher Moses):
o Genesis,
o Exodus,
o Levitikus,
o Numeri,
o Deuteronomium
* Geschichtsbücher:
o Josua,
o Richter,
o Rut,
o 1. Buch Samuel,
o 2. Buch Samuel,
o 1. Buch der Könige,
o 2. Buch der Könige
o 1. Buch der Chronik,
o 2. Buch der Chronik,
o Esra,
o Nehemia,
o Tobit,
o Judith,
o Ester (in einer gegenüber dem masoretischen Text umfangreicheren Textfassung),
o 1. Buch der Makkabäer
o 2. Buch der Makkabäer
* Bücher der Lehrweisheit und Psalmen:
o Ijob,
o Psalmen,
o Sprichwörter,
o Kohelet,
o Hohes Lied,
o Weisheit,
o Jesus Sirach.
* Prophetenbücher, nochmals unterteilt in
Vier „große“ Propheten:
*
o Jesaja,
o Jeremia, darin eingefügt die Bücher:
+ Klagelieder Jeremias,
+ Baruch,
o Ezechiel,
o Daniel (in einer gegenüber dem masoretischen Text umfangreicheren Textfassung),
* und zwölf „kleine“ Propheten:
o Hosea,
o Joel,
o Amos,
o Obadja,
o Jona,
o Micha,
o Nahum,
o Habakuk,
o Zefanja,
o Haggai,
o Sacharja,
o Maleachi.
Der Kanon des Alten Testaments zählt damit 39 Bücher, die manchmal, in Anlehnung an die Tradition, eingeteilt werden in:
* Gesetzbücher (Pentateuch),
* Geschichtsbücher,
* Lehrbücher,
* große und kleine Propheten.
Während die reformiert geprägten Bibelausgaben meist nur die Schriften des hebräischen Kanons bieten, enthalten Lutherbibeln oft auch die „deuterokanonischen“ Schriften als Einschub zwischen Altem und Neuem Testament. Dabei kommt oft noch das so genannte Gebet des Manasse hinzu. Diese Schriften gelten damit nicht als gleichrangiges „Wort Gottes“, waren für Luther aber dennoch „nützlich und gut zu lesen“.
Literarische Bibelquellen
Die ältesten Überlieferungen des Tanach sind vor allem in den 5 Büchern Moses - dem so genannten „Pentateuch“ (von griechisch „penta“ = fünf, „teuch“ = Buchrolle) - gesammelt. Sie schildern die Erschaffung der Welt und Urgeschichte der Menschheit bis zur „Erwählung“, Befreiung und Einwanderung Israels in Palästina. Sie sind in Jahrhunderten aus einer Vielzahl verschiedener Stoffe, aus Sagenkränzen, Ortsätiologien, Stammesüberlieferungen und Gesetzeskorpora zusammengewachsen. Diese wurden wohl schon in der Königszeit (ab 1000 v. Chr.), besonders aber der exilischen Zeit (587 v. Chr.) literarisch zu größeren Einheiten verbunden:
- den „Erzväter“-Erzählungen (Genesis 12-47]),
- der Geschichte vom Auszug Israels aus Ägypten, seiner Wüstenwanderung und Gesetzesoffenbarung am Sinai (Exodus),
- der Besiedlung, Eroberung und Verteidigung („Landnahme“) des verheißenen Landes (Teile des 4. Buchs Moses sowie die Bücher Josua und Richter),
- den Urgeschichten (Gen 1-11; siehe auch: Wiege der Menschheit)
- Gesetzessammlungen (Teile des 2. und 4. Buch Moses sowie das gesamte 3. und 5. Buch Moses).
Hinzu kamen seit der Königszeit Überlieferungen über die politische Geschichte Israels, die im und nach dem Exil zu größeren Einheiten wie dem „Deuternomischen Geschichtswerk“ verbunden wurden: Dazu gehören das Buch Josua, die Bücher Samuel, Könige und Chronik.
Seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. wurden außerdem prophetische Traditionen gesammelt und später entweder in die Geschichtswerke über die Königszeit integriert (Samuel, Nathan, Elija, Elisa) oder zu eigenen prophetischen Einzelbüchern zusammengestellt (von Jesaja bis Maleachi).
Seit der Regierungszeit Salomos im 8. Jahrhundert v. Chr., besonders aber in exilisch-nachexilischer Zeit ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden liturgische, poetische und weisheitliche Schriften:
- Gebets-Poesie wie die Psalmen, Spruchweisheit wie die Sprichwörter oder die Liebesgedichte des „Hohenlieds“,
- reflexive Weisheitsliteratur wie die Bücher Kohelet und Hiob.
Viele der zu den „Schriften“ gezählten Bücher entstanden nach der Rückkehr eines Teils der exilierten Juden 539 vor Christus (Esra, Nehemia, Ester, Rut). Seit der Makkabäerzeit (etwa 170 v. Chr.) wurde auch apokalyptische Literatur verfasst und später dem Kanon hinzugefügt (Daniel).
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