Zusammenarbeit und Genehmigung: katholische Zeitschrift "Liebt Einander".
Das grösste Ereignis in der Geschichte der Menschheit
Die christliche Botschaft über die Auferstehung Christi möchte niemandem den Glauben aufzwingen, sondern versteht sich vielmehr als Vorschlag an den Menschen und als Appell an seine Freiheit. Gott gibt uns genügend Zeichen, damit wir begreifen können. Trotzdem zwingen diese Zeichen keinen dazu, an die offenbarte Wahrheit zu glauben. Es gibt immer ausreichend viele Ungewissheiten, um den eigenen Unglauben zu entschuldigen. Wir sollten jedoch bedenken, dass in vielen Fällen die Ursache des Unglaubens vielmehr darin besteht, dass es sehr schwer fällt, mit der Sünde radikal zu brechen und den Weg des Evangeliums einzuschlagen.
Die geschichtliche Glaubwürdigkeit der Schriften des Neuen Testaments
Die Texte des Neuen Testaments sind für uns Quellen des Glaubens an die Auferstehung Christi. Sie stellen in glaubwürdiger Weise all dies dar, was die Apostel verkündet und gelehrt haben; ebenso gehört dazu die lebendige Tradition der Kirche, die von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben wird. Unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass die historische Glaubwürdigkeit der Schriften des Neuen Testaments nicht angezweifelt werden kann. Sie waren die meist kopierten und verbreiteten Texte im Altertum – bis heute sind davon über 25.000 Manuskripte erhalten geblieben (zum Vergleich: die Ilias von Homer, die sich direkt dahinter platziert, bringt es gerade mal auf 643 Manuskripte, wobei das älteste Manuskript aus dem 13. Jahrhundert stammt). Solch eine ungeheure Anzahl von Kopien erlaubt eine höchst originalgetreue Rekonstruktion, und dies führte dazu, dass die Authentizität der Bücher des Neuen Testaments endgültig bestätigt wurde. Kein anderer Text aus dem Altertum findet eine annähernd starke Bestätigung für seine Übereinstimmung mit dem Original. Wir sind nicht nur in Besitz von 5656 Manuskripten, die den ganzen griechischen Text des Neuen Testaments, beziehungsweise seine Teile, enthalten, sondern besitzen auch 10.000 Manuskripte der lateinischen Vulgata sowie 9300 andere frühe Manuskripte. Das Älteste davon, und dabei handelt es sich um ein von John Rylands in Ägypten aufgefundenes Manuskript, stammt aus dem Jahr 130 n. Chr. Das Bodmer II. Papyrus stammt aus dem Jahr 150 n. Chr., die Papirusse von Chester Beatty stammen aus dem Jahr 200 n. Chr., der Vatikanische Kodex (er enthält die gesamte Bibel) ist aus dem Jahr 325 n.Chr., der Sinai Kodex (mit allen Büchern des Neuen Testaments und der Hälfte der Bücher des Alten Testaments) stammt aus dem Jahr 350 n.Chr. Es gibt insgesamt über 15.000 Kopien vielfältiger Übertragungen, die allesamt um das Jahr 150 n.Chr. entstanden sind. Diese Tatsachen erstaunen umso mehr, wenn man sie mit den übrigen erhaltenen Schriften des Altertums vergleicht. Das älteste uns erhaltene Manuskript der sieben Bücher des Sophokles erstand erst 1400 Jahre nach dem Tod des Autors. Die älteste Abschrift des „Galiläischen Krieges“ von Caesar (58- 50 v.Chr.) trennen fast 900 Jahre vom Original. Die Manuskripte von Tacitus „Geschichte“ (um 100 n.Chr.) stammen aus dem 9. und 11. Jahrhundert usw. Kein anderes Werk des griechisch-römischen Altertums hat nur annähernd so viele Beweise für seine Authentizität wie die Texte des Neuen Testaments. All diese Fakten bestätigen nur die Tatsache, dass die geschichtliche Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments keinesfalls angezweifelt werden kann. Sir William Ramsay, der zu den renommiertesten Archäologen aller Zeiten gezählt wird, stellte einmal fest, dass die Geschichte, die der Evangelist Lukas in seinem Evangelium und der Apostelgeschichte erzählt, ein unerreichtes Beispiel an Glaubwürdigkeit darstellt und ihr Autor deshalb zu den größten Historikern gezählt werden sollte. Man sollte auch bedenken, dass viele archäologische Ausgrabungen bis in die kleinsten Einzelheiten die historische Dimension der Bibel bestätigen. Das Thema der biblischen Archäologie bedarf jedoch einer gesonderten Darstellung.
Die geschichtliche Bedeutung der Auferstehung
Jacques Perret, die führende Autorität an der französischen Sorbonne was die Geschichte Roms betrifft, wendete zur Analyse der evangelischen Berichte über die Auferstehung dieselben Interpretations- Kriterien an, die Wissenschaftler zur Untersuchung von Texten aus dem Altertum anwenden. Seine Ergebnisse fasste er folgendermaßen zusammen: „All diejenigen, die den Glauben an die Auferstehung Christi leugnen, tun dies nicht aufgrund von historischen Tatsachen. Geschichtliche Untersuchungen widersprechen nämlich den Berichten über die Auferstehung nicht, sondern führen im Gegenteil dazu, dass die Annahme, die Evangelisten berichteten die Wahrheit über das, was geschehen ist, als die wahrscheinlichste von allen angesehen werden kann.“ Perret deckt den Mangel an Objektivität bei denjenigen auf, die die Glaubwürdigkeit der evangelischen Texte in Frage stellen: „Zum Gespött all seiner Kollegen würde derjenige Altertumsforscher werden, der, auf welchem Gebiet seiner wissenschaftlichen Forschungen auch immer, solche Methoden anwenden würde, wie es viele Exegeten tun, (die nichts über moderne Techniken wissenschaftlicher Untersuchungen wissen, bzw. die nichts darüber wissen wollen ), um das Zeugnis der Evangelien zu widerlegen.“ Ihre skeptische Einstellung zur Geschichtlichkeit der Auferstehung beruht nicht auf objektiven Feststellungen, sondern auf Vorurteilen, Aberglauben und auf von vornherein festgelegten theologischen Behauptungen. Für Perret steht fest, dass: „ (...) wenn ein Kritiker nicht an die Auferstehung Christi glaubt, er dies nicht aufgrund von historischen Tatsachen tut. Die Geschichte führt vielmehr in dem Maße, wie es ihr möglich ist, zur Annahme dieser Wahrheit.“
Die Texte des Neuen Testaments entstanden kurz nach dem Tod und der Auferstehung Jesu, also noch zu Lebzeiten vieler Zeugen dieser ungewöhnlichen Ereignisse. Die Christen verkündeten von Anfang an – mit großem Mut und unter Lebensgefahr – die Wahrheit über die Auferstehung Christi, und diese Katechese wurde sofort niedergeschrieben. Perret, mit seinem feinen historischen Gespür, hat keinen Zweifel daran, dass das Neue Testament die Erscheinungen des auferstandenen Jesu als konkrete Ereignisse darstellt; erfahrbar mit allen Sinnen. Er schreibt: „Diese Erscheinungen sind erfahrbar für den Ungläubigen (Saulus), der sich durch sie bekehrt.“ Es ist ganz klar, dass die Auferstehung die Geschichte überschreitet, weil sie eine transzendentale Dimension hat. Doch darf ihre historische Bedeutung weder negiert noch übergangen werden. Der älteste Text, der über die Auferstehung Christi ( 1 Kor 15, 3-8) berichtet, stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Jean Carmignac, ein Historiker, der akribisch die Texte über die Auferstehung Christi untersuchte, konnte beweisen, dass der Originaltext in einer semitischen Sprache verfasst worden ist (auf Hebräisch, oder, was noch wahrscheinlicher wäre, auf Aramäisch), und zwar in einer Jerusalemer Gemeinschaft der ersten Christen jüdischer Abstammung. Sie glaubten an die Auferstehung Christi, weil diese an einem konkreten Ort und zu einer bestimmten Zeit passierte. Sie glauben auch aufgrund von Zeugen, die dem Auferstandenen persönlich begegnet sind. Diese Zeugen der Auferstehung Christi (Apostelgeschichte 1,22), die mit den eigenen Sinnen Seine Auferstehung erfahren haben, waren Petrus und die Apostel und, wie es einige Jahre nach diesem Ereignis der heilige Paulus berichtet: „Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich.“ (1 Korinther 15,6)
Es gibt auch keine sich widersprechenden Aussagen über die Auferstehung Christi in den Schriften des Neuen Testaments. Man trifft auf bleibende und sich wiederholende Feststellungen: die Anwesenheit der Frauen am Grab, die Aussage, dass das Grab leer war, die Verkündigung der Auferstehung, die Begegnungen mit dem Auferstandenen. Die Botschaft über die Auferstehung ist eindeutig: der gekreuzigte und zu Grabe getragene Jesu ist wieder lebendig und wurde von vielen gesehen. Deshalb erzählen die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes nicht jeweils andere Geschichten, sondern wählen aus dem reichen Schatz der Überlieferungen und Zeugnisse Einzelheiten aus, die besonders zu den Bedürfnissen derjenigen Gemeinde, an die sie schreiben, passen. Der bekannte Theologe John A.T. Robinson stellt fest: „Die Diskrepanzen in den Erzählungen über die Auferstehung entsprechen in ihrer Art und Weise ganz genau dem Wesen wahrheitsgetreuer Berichterstattungen. Wären die Berichte geplant gewesen, so wären sie viel besser koordiniert und etwaige Unstimmigkeiten sorgfältig verwischt worden.“ Ein anderer renommierter Bibelkenner, A. Plummer, schreibt: „ Allem Anschein zum Trotz weist die Schwierigkeit, die Texte aufeinander abzustimmen, auf ihre Wahrhaftigkeit hin.“ Joachim Jeremias, ein anderer bekannter Bibelforscher, fügt hinzu: „Eben in der Vielfältigkeit der Personen, Umstände und Orte offenbart sich die natürliche Erinnerung an die Passion und die Stunden danach.“ In den Erzählungen aus dem Evangelium über die Auferstehung überwiegen Freude und das Verlangen, die Botschaft über die Auferstehung Jesu auch anderen mitzuteilen. Nur denjenigen Menschen, die „(...) die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten“ (Römer 1,18), erscheint die Wahrheit über die Auferstehung Christi als „eine Torheit.“ (1 Korinther 1,23)
Die geschichtlich fundierte Gewissheit der Auferstehung
Der Tod am Kreuz war die schmachvollste Art der Hinrichtung, bestimmt für die schlimmsten Verbrecher. Gottesfürchtige Juden waren der Überzeugung, Jesus hätte sich der schwersten Gotteslästerung schuldig gemacht: Er hielt sich selbst für Gott. Aus diesem Grund wurde Er zum Tod am Kreuz verurteilt. Die Hinrichtung wurde auf der Anhöhe Golgatha vollstreckt – in der Nähe des meist benutzten Jerusalemer Stadttors, kurz vor dem Paschafest, als sich dort sehr viele Menschen befanden. Die Auferstehung hingegen passierte im versiegelten Grab – in der Stille der Nacht, ohne Zeugen. Das Leiden und der Kreuzestod Christi waren eine so schwere Erschütterung für die Apostel und Jünger gewesen, dass sie den Worten der Frauen, die ihnen als erste die Kunde über die Auferstehung brachten, nicht glaubten und alles für Geschwätz hielten (Lukas 24, 11). Der auferstandene Christus nimmt deshalb persönlichen Kontakt mit den Aposteln auf, damit sie mit den eigenen Sinnen erkennen, dass es sich nicht um eine Erscheinung, sondern um Ihn selbst in seinem verklärten Leib handelt. Als Jesus sich den Aposteln zeigte, erschraken sie „(...) und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu Ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst“(Lukas 24, 37-40). Jesus möchte das Misstrauen seiner Jünger durchbrechen, indem er sie auffordert, ihn anzufassen und ihm Essen zu bringen: „Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen.“ (Lukas 24, 39-43) Auf ähnliche Art und Weise durchbricht Jesu auch den Unglauben des Apostels Thomas: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Johannes 20, 27)
Durch körperlichen Kontakt können sich die Apostel davon überzeugen, dass Jesus in demselben Körper auferstanden ist, in dem Er gekreuzigt wurde. Innerhalb der vierzig Tage nach der Auferstehung sind sie Christus vielfach persönlich begegnet. Dadurch haben sie sich davon überzeugen können, dass Er wirklich körperlich lebendig ist, in einem Körper, der keiner physischen Beschränkung mehr unterliegt. Der auferstandene Jesu konnte auf einmal erscheinen und wieder verschwinden, Er konnte durch die verschlossene Tür des Abendmahlsaals eintreten. Der Glaube der Apostel an die Auferstehung entwickelte sich aufgrund von unmittelbaren Begegnungen mit Jesus, der ihnen in großer Einfachheit und ohne jegliches Pathos gegenübertrat. Die Apostel konnten Seine Stimme, Seine Haare, Seine Gesichtszüge und auch Seine Hände und Seine Seite – mit den Wunden der Kreuzigung – wieder erkennen. Jeder, der aufrichtig nach der Wahrheit sucht, und sich dabei unvoreingenommen mit den Glaubenszeugen der Auferstehung Christi auseinandersetzt, kann nicht daran zweifeln, dass es sich hierbei weder um irgendeine Idee noch um eine von den Aposteln ausgedachte Legende, sondern um eine geschichtlich authentische Tatsache handelt, die an einem konkreten Ort zu einer bestimmten Zeit, also drei Tage nach der Kreuzigung, in Jerusalem, im Grab von Josef von Arimathäa, stattfand. Die Begegnungen mit dem Auferstandenen veränderten die Apostel grundlegend und vermittelten ihnen eine so große geistige Stärke, dass fast alle den Märtyrertod starben, weil sie nicht aufhören konnten, zu verkünden, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und Gott selbst sei. Und gerade dies wurde damals als die größte Gotteslästerung überhaupt angesehen. Diese so unerschrocken verkündete Wahrheit über die Auferstehung Christi führte zu einem lebendigen, enthusiastischen und freudvollen Christentum – und dies geschah zu einer Zeit, als alle glaubten, dass Jesu durch seinen Tod am Kreuz eine unwiderrufliche Niederlage erfahren hatte.
Eine die Geschichte überschreitende Tatsache
Das Leiden, der Tod und die Auferstehung Christi sind ein absolutes Novum in der Geschichte der Religion. Im griechischen Altertum wurde allein schon der Gedanke an eine Auferstehung von den Toten als absolut unsinnig verworfen. Deshalb fiel es den Menschen aus diesem Kulturkreis am schwersten, diese Wahrheit zu akzeptieren. Aus diesem Grund auch wurde die Rede des hl. Paulus auf dem Areopag verlacht, nicht ernst genommen und er selbst als Analphabet abgestempelt (Apostelgeschichte 17, 18). Ähnlich verhielt es sich im jüdischen Umkreis: keiner der Vertreter des Judaismus erwartete eine Auferstehung des Messias. Der am meisten versierte Kenner des Alten Bundes David Flusser schreibt: „In der Zeit Jesu gab es im ganzen Judaismus keine einzige Strömung, die etwas über einen Menschensohn aussagte, der sterben und auferstehen sollte.“ Das Neue Testament stellt uns die Auferstehung Christi als einzigartiges und nicht wiederholbares Ereignis vor Augen. Dieses Ereignis findet mitten in der Geschichte der Menschheit statt, überschreitet diese Geschichte jedoch gleichzeitig, weil es die transzendentale Sphäre betrifft, die sich wissenschaftlich nicht erfassen lässt. Kein Mensch war Zeuge der Auferstehung, des Übergangs in ein anderes Leben. Es passierte im versiegelten und bewachten Grab. Die Hohenpriester befürchteten: „Sonst könnten seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferstanden. Und dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als alles zuvor.“ (Matthäus 27, 64)
Nach seiner Auferstehung kehrt Jesu nicht in sein vorheriges Leben zurück, so wie es der Fall war bei der Erweckung des Lazarus, des Jünglings aus Nain oder der Tochter des Jairus, die danach noch einmal sterben mussten. Die Auferstehung Christi ist der Übergang Seiner Menschlichkeit (mit Leib und Seele) vom Tod zur vollständigen Teilnahme am geheimnisvollen Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit. Es ist das gemeinsame Werk des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, welches die Macht des dreieinigen Gottes offenbart. Die Auferstehung Christi bestätigte all das, was Er lehrte und während Seines irdischen Lebens getan hat. Darüber hinaus ist sie der stärkste Beweis dafür, dass Jesus Gottes Sohn ist. Der Hohe Rat verurteilte Jesus zum Tod wegen Gotteslästerung, weil Er als Mensch behauptet hatte, Gott zu sein. Die Auferstehung brachte die Bestätigung, dass Jesus wirklich Gott ist und er sich mit Recht so nennen kann: „Noch ehe Abraham wurde, BIN ICH“ (Johannes 8,58). Der „ICH BIN“, also wahrer Gott und wahrer Mensch, in dem „die ganze Fülle Gottes“ (Kolosser 2,9) wohnt. Die Auferstehung Christi ist eine Tatsache, die die Geschichte überschreitet, und deshalb ist Er für uns in den Sakramenten der Kirche fortwährend anwesend, insbesondere in den Sakramenten der Beichte und Eucharistie. Wenn wir bei der Beichte aufrichtig unsere Sünden bekennen und mit reinem Herzen Jesus in der hl. Kommunion empfangen, dann bekommen wir „eine Arznei der Unsterblichkeit, ein Gegengift gegen den Tod“, die Garantie für unsere eigene Auferstehung. „Wer Christus in der Eucharistie zu sich nimmt“, schreibt Johannes Paul II., „muss nicht erst auf das Jenseits warten, um das ewige Leben zu empfangen: er besitzt es schon hier auf der Erde als Vorgeschmack der kommenden Fülle, die den Menschen vollkommen umfangen wird.“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, 18)
Der schweigende Zeuge der Auferstehung - Eine Reliquie von unschätzbarem Wert
Kein Mensch war unmittelbarer Zeuge der Auferstehung des Körpers Christi, welcher vor der Grablegung in ein 4, 36 m langes und 1, 10 m breites Leintuch eingewickelt worden war. Dieses Grabtuch diente als Laken, Bedeckung und Kopftuch. Es umhüllte den Kopf sowie den ganzen Körper, die eine Hälfte von oben, die andere von unten.
Die seit fast schon 100 Jahren durch Wissenschaftler verschiedenster Wissensgebiete geführten mühsamen und umfassenden Untersuchungen des Turiner Grabtuchs bestätigen seine Authentizität. Aufgrund dieser Untersuchungen avancierte das Turiner Grabtuch zur berühmtesten christlichen Reliquie, welche die ganze Welt der Forschung durch ihren „fotographischen Abdruck“ des Leidens, Todes und der Auferstehung Christi immer wieder in Erstaunen versetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen brachten zutage, dass der Abdruck auf dem Tuch durch die reelle Anwesenheit des gekreuzigten Körpers entstanden ist, der auf dem Grabtuch einen fotografischen Positiv-Abdruck hinterlassen hat. Die Blutflecken dagegen hinterließen einen Abdruck im Negativ. Diese Reliquie von unschätzbarem Wert ist bis in unsere Zeit hinein erhalten geblieben und wird in Turin aufbewahrt. Die amerikanischen Physiker J. Jackson und E. Jumper von der U.S. Air Force Academy haben herausgefunden, dass der Abdruck auf dem Grabtuch dreidimensional ist. Wiederholte genaueste Untersuchungen haben belegt, dass die moderne Wissenschaft nicht in der Lage ist, diesen Abdruck herzustellen, geschweige denn ein Fälscher. Der Abdruck wurde weder mit dem Pinsel gemalt, noch ist er durch irgendeine andere Technik entstanden, genauso wenig ist er das Werk eines Menschen. Es gibt auf ihm keinerlei Spuren einer Strichrichtung, wie es bei einer Zeichnung oder einem Bild der Fall gewesen wäre. Der Abdruck hat eine gelbliche, durchsichtige Färbung und gibt damit große Rätsel auf, weil man weder Farbpigmente noch Färbemittel darin gefunden hat. Das Garn wiederum ist nur äußerlich stärker vergilbt. Es zeigte sich, dass von den ungefähr 100 sich im Faden befindlichen Fasern nur zwei oder drei äußere Fasern ihre Farbe verändert haben. Dies bedeutet, dass der Abdruck nur auf der Oberfläche der Fasern entstanden ist.
Er existiert weder äußerlich auf dem Stoff, noch im Inneren der Fäden. Man versuchte, die Färbung unter Zuhilfenahme von 25 verschiedenen Lösungsmitteln aus einigen Fasern zu entfernen. Dies erwies sich als unmöglich. So zeigte sich aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen, dass der Abdruck auf dem Grabtuch nicht abwaschbar ist und man ihn auch auf keine andere Art entfernen oder ausbleichen kann.
Unerklärbar für die Wissenschaft
Dank der Bearbeitung des dreidimensionalen Abdrucks konnten die Wissenschaftler jeweils eine Münze auf dem rechten und linken Auge des Menschen vom Turiner Grabtuch identifizieren. Auf dem rechten Auge befindet sich der Abdruck der Münze „Lepton lituus“, die zwischen den Jahren 29 und 30 n. Chr. geprägt wurde, und zwar in der Zeit von Pontius Pilatus. Auf dem linken Auge konnte man eine Münze identifizieren, die von Pilatus zu Ehren Julias, der Mutter von Tiberius, im Jahre 29 n. Chr. geprägt worden war. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Grabtuch aus der Zeit Christi stammt. Die Münzen auf den Augen spiegeln einen für das jüdische Altertum typischen Begräbnisbrauch wider. Der Abdruck auf dem Grabtuch besitzt viele Eigenschaften, die die Wissenschaftler immer wieder in großes Erstaunen setzen. Obwohl das Grabtuch den ganzen Körper umhüllte, ist der sich darauf befindende Abdruck vollkommen flach. Der Abdruck ist nicht deformiert und den optischen Gesetzen gemäß eine Parallelprojektion. Die Wissenschaftler vermuten, dass die nicht zu entfernende Fixierung der Gestalt des Gekreuzigten im Negativ durch eine ungeklärte Energieexplosion von Innen her entstanden ist. In diesem Moment kam es zur Fixierung des Abdrucks und zwar dadurch, dass die äußeren Fasern entweder durch infrarote Strahlen quasi „angebrannt“ wurden, oder durch Protonen mit einer Ladung von 1 Mega-Elektronenvolt bombardiert wurden. Der Mechanismus, der für die Übertragung des Körperabdrucks auf das Tuch verantwortlich ist, bleibt für die Wissenschaft bis heute ungeklärt. Deshalb schrieb der Wissenschaftler J. Jackson: „Auf der Grundlage der uns bisher bekannten physikalisch- chemischen Abläufe können wir feststellen, dass der Turiner Abdruck gar nicht existieren sollte, und doch ist er real, auch wenn wir nicht in der Lage sind zu beschreiben, wie er entstanden ist.“ Wissenschaftliche Untersuchungen schlossen eine Fälschung aus. Der Schöpfer dieses erschütternden fotografischen Abdrucks im Negativ ist der tote Leib eines gekreuzigten Menschen, eines Juden aus dem ersten Jahrhundert, den die Römer genauso gekreuzigt haben, wie es die Evangelisten beschreiben.
Alle Forschungsergebnisse weisen daraufhin, dass wir es hier mit dem authentischen Grabtuch Jesu Christi zu tun haben. Die Wissenschaftler K.E. Stevenson und G.R. Habermas meinen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass wir es hier nicht mit dem Grabtuch Jesu Christi zu tun haben, bei 1 zu 82.944.000 liegt. Um dies besser zu veranschaulichen, wählten sie den folgenden Vergleich: „ Stellen wir uns 82.944.000 Ein-Dollar Banknoten vor, die alle nebeneinander gelegt werden. Die dabei entstehende Strecke ist dreimal länger als die Entfernung zwischen New York und San Francisco. Eine der Banknoten wird markiert. Mit verbundenen Augen soll nun ein Mensch versuchen, diesen einen Schein herauszufinden. Dabei hat er nur eine einzige Chance. Die Wahrscheinlichkeit, dass er diesen markierten Schein findet, beträgt 1 zu 82.944.000. Daraus ergibt sich nur eine Schlussfolgerung: Das Grabtuch von Turin ist das Leichentuch, mit dem der Leib Jesu Christi umhüllt worden ist. Diese Folgerung wird von fundierten wissenschaftlichen Fakten untermauert.“ (Verdetto sulla Sindone. Brescia, 1982, S. 146)
Ein vielsagender Zeuge
Die Wissenschaft legt offen, wer der Mensch auf dem Grabtuch ist, und der Glaube lässt ihn eindeutig erkennen
Man kann deshalb mit Y. Delage nur noch festhalten, dass dermaßen stichhaltige Argumente und Fakten nur von solchen Menschen ignoriert werden, die aufgrund irgendwelcher ideologischer Überzeugungen „ihren Verstand ausgeschaltet haben.“ Experten aus dem Bereich der Gerichtsmedizin, die sich mit den Vorgängen der Blutgerinnung aufs Beste auskennen, sind der Meinung, dass der Leib Jesu ungefähr 2 ½ Stunden nach Todeseintritt mit dem Leichentuch umhüllt worden war und bis zu 36 Stunden darin verblieben ist, weil keine Spuren von Verwesung festzustellen sind. Was jedoch noch viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass der Körper ganz gewiss nicht aus dem Grabtuch herausgenommen worden war, da der Stoff an keiner Stelle zerrissen oder defekt ist, und man ganz deutlich unberührte Blutgerinnsel erkennen kann. Diese Tatsache kann man weder wissenschaftlich erklären noch rekonstruieren. Wie konnte der Leib durch den Stoff dringen, ohne ihn zu berühren oder zu beschädigen? Wie kam es zum geheimnisvollen Abdruck des Körpers auf dem Grabtuch? Die Antworten auf diese Fragen kann uns nur der Glaube geben, der besagt, dass dies alles im Moment der Auferstehung Jesu Christi geschehen ist. Deshalb sagte Johannes Paul II. während seiner Predigt in Turin am 13.04.1980: „Übernimmt man die Argumentation und Darstellung vieler Forscher, so steht fest, dass das Turiner Grabtuch ein besonderer Zeuge des Pascha-Ereignisses ist: des Leidens, Todes und der Auferstehung. Ein schweigender Zeuge, dabei aber so erstaunlich vielsagend.“ Die Wissenschaft legt offen, wer der Mensch auf dem Grabtuch ist und der Glaube lässt ihn eindeutig erkennen. Diese kostbarste Reliquie erinnert uns auf besondere Art und Weise daran, dass Christus wirklich gelitten hat, am Kreuz gestorben und auferstanden ist – für mich und für meine Erlösung. „Für den gläubigen Menschen“, sagte Johannes Paul II., „ist es besonders von Bedeutung, dass das Grabtuch ein Abbild des Evangeliums ist (...) Jeder empfindsame Mensch, der sich damit auseinandersetzt, erfährt eine innere Berührung und Erschütterung (...) Das Grabtuch ist ein ungewöhnlichen Zeichen, welches auf Jesu hindeutet, das wahre Wort des Vaters, und welches den Menschen dazu auffordert, in seinem Leben denjenigen nachzuahmen, der sich selber für uns hingegeben hat...“ (Turin 24.05.1998).
Er hat unsere Leiden auf sich genommen
Vielen Menschen ist es nicht mehr bewusst, dass die Mitte des christlichen Glaubens der gekreuzigte und auferstandene Christus ist und nicht irgendwelche Ideen, Traditionen oder ethischen Überzeugungen. Damit wir in persönlichen Kontakt mit dem Erlöser treten können, ist uns dank der göttlichen Vorsehung ein erschütterndes Bild des Leidens und Todes Christi erhalten geblieben. Ein Bild, festgehalten auf einem Grabtuch; sozusagen ein fünftes Evangelium, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit Blut, das für unsere Erlösung vergossen worden ist.
Ein Bild, festgehalten auf einem Grabtuch; sozusagen ein fünftes Evangelium, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit Blut, das für unsere Erlösung vergossen worden ist
Kann man denn gleichgültig bleiben gegenüber diesem besonderen Zeugen des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi? Das Grabtuch zeigt das große Leiden, das der menschgewordene Gott aus Liebe zu uns freiwillig auf sich genommen hat, um uns aus der Knechtschaft des Satans, der Sünde und des Todes zu befreien. „Dieses kostbare Grabtuch Jesu“, sagte Johannes Paul II., „ kann uns dabei behilflich sein, das Geheimnis der Liebe des Sohnes Gottes zu uns Menschen zu ergründen. Vor diesem Grabtuch, diesem vielsagenden und erschütternden Abbild nicht zu beschreibenden Leidens, möchte ich Gott danken für dieses besondere Geschenk, vor dem der Christ sich in Liebe beugen muss, in voller Bereitschaft zur Nachfolge Christi (...) Das Grabtuch lässt uns das Geheimnis des Leidens erkennen, welches, geheiligt durch das Opfer Christi, zur Quelle der Erlösung für die gesamte Menschheit wurde.“ (Turin 24.05.1998).
Er wurde schrecklichen Qualen unterworfen
Wissenschaftliche Untersuchungen des Grabtuchs ergaben, dass sich darauf das Ebenbild eines Mannes befindet, der 1,81 m groß war, einen Bart und lange Haare hatte, von starker und wohlproportionierter Statur war, und schöne semitische Gesichtszüge besaß. Dieser Mensch erlitt die schrecklichsten Qualen der Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzigung. Am ganzen Körper zählte man bis zu 600 Wunden und Verletzungen. Dennoch zeigt das Abbild des toten Körpers keine Spuren der Verwesung. Diese Daten stimmen mit den Berichten aus den Evangelien überein, vervollständigen diese jedoch durch sehr wichtige Einzelheiten. Auf diese Art und Weise zeigt das Grabtuch, quasi zum Anfassen, wie sehr Christus aus Liebe zu uns gelitten und sich „bis zur Vollendung“ (Johannes 13,1) hingegeben hat. Er hat uns
Das Antlitz Jesu
Trotz der erlittenen physischen und seelischen Qualen erscheint der Gesichtabdruck auf dem Grabtuch erstaunlich schön und ruhig. Dermaßen ruhig konnte diese Qualen am Kreuz nur jemand ertragen, der wusste, dass er durch sein Leiden und Sterben den Tod besiegt. Der Gesichtsabdruck am Tuch zeugt von Folterspuren. Auf der Nase und an der rechten Wange sind Wunden von Stockhieben. An den Augenlidern und Augenbrauen finden sich Verletzungen, eine Schwellung am rechten Jochbein, Zeichen von Nasenbluten, Prellungen mit leichter Verschiebung der Nasenspitze, Spuren ausgerissener Haare mitsamt der Haut. Wir lesen im Evangelium darüber: „Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf und spuckten ihn an (...) “(Markus 15,19); „Und sie schlugen ihm ins Gesicht.“ (Johannes 19,3)
Die Dornenkrönung
„Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf (...)“ (Johannes 19,2). Diese Art der Folter wurde eigens für Jesus erfunden. In keiner historischen Quelle wird solch eine Strafe vor der Kreuzigung erwähnt. Auf dem Grabtuch sieht man viele Blutergüsse auf dem Kopf, die dann auf dem Stoff einen Abdruck im Positiv hinterlassen haben. Die Blutungen sind entstanden, weil die Dornen die Blutgefäße auf dem Kopf durchbohrt haben. Die Dornenkrone hatte die Form einer Haube, die den ganzen Kopf umhüllte. Chirurgen zählten 13 Wunden an der Stirn und 20 am Hinterkopf, vermuten aber, dass die Dornenkrone an die 50 Wunden insgesamt verursacht haben konnte. Aufgrund der Tatsache, dass sich am Kopf viele Nervenenden und Blutgefäße befinden, muss die Dornenkrone zu einem höllischen Schmerz und zu starken Blutungen geführt haben. „Wenn man bedenkt, dass sich auf 1 cm² der Kopfhaut über 140 schmerzempfindliche Stellen befinden, dann kann man sich vorstellen, wie schrecklich Jesu während der tragischen Krönung gelitten haben muss“, schrieb L. Coppini, Direktor des Anatomischen Instituts in Bologna. Untersuchungen bestätigten die Übereinstimmung der Blutaustritte mit der Anatomie der Arterien und Venen auf dem menschlichen Kopf. Dies ist ein weiterer Beweis für die Authentizität des Grabtuchs, denn der Blutkreislauf wurde erst im Jahre 1593 entdeckt und beschrieben.
Die Geißelung
Jesus wurde grausam gegeißelt. Über den ganzen Körper verteilt sind Wunden, die von der römischen Geißel „Flagrum“ stammen; ebenso am gesamten Rückteil des Körpers, was bedeutet, dass Jesus nackt gegeißelt worden ist. Es war eine schreckliche Strafe, die in vielen Fällen auch zum Tod führte. Die Geißel hatte drei längere Stricke, an deren Enden sich Metallstücke befanden. Beim Schlagen rissen diese ganze Fleischstücke aus dem Körper heraus. Man zählte 120 Wunden am ganzen Körper, die durch die Geißelung verursacht worden sind. Es war üblich nur diejenigen zu geißeln, die nicht zum Tode verurteilt worden waren. Nach Vollstreckung der Strafe wurden sie freigelassen. Am Anfang wollte Pilatus Jesus nur geißeln lassen: „Daher will ich ihn nur auspeitschen lassen, und dann werde ich ihn freilassen“ (Lukas 23,16). Das erklärt die hohe Anzahl an Schlägen und die ungewöhnliche Grausamkeit, mit der die Soldaten Jesu geißelten. Sie hielten dies für die gesamte Strafe. Es waren zwei, derjenige, der rechts stand, war größer und schlug mit erkennbarem Sadismus zu. Jesus stand leicht gebeugt, die Hände an die Geißelsäule gebunden. Die Stricke der Geißeln verwundeten aufgrund ihrer Länge auch den Vorderleib, den Bauch, den Brustkorb, die Oberschenkel und die Schienbeine.
Die Kreuztragung
Folgt man den Spuren der Wunden auf dem Grabtuch (über dem linken und rechten Schulterblatt) so lässt sich eindeutig feststellen, und da sind sich die Wissenschaftler einig, dass Jesu zum Ort seiner Hinrichtung den Querbalken des Kreuzes, das so genannte „Patibulum“, trug, wobei er die Hände daran festgebunden hatte. Man nimmt an, dass der Balken um die 30 kg schwer und 1,80 m lang war. Vollkommen erschöpft nach der grausamen Geißelung hatte Jesu große Mühe zum Ort der Kreuzigung zu kommen. Er musste eine ½ Kilometer lange Strecke zurücklegen. Beim Fallen stürzte er aufs Gesicht, wobei er gewaltsam mit den Knien auf den steinigen Weg aufschlug. Die Wissenschaftler entdeckten große Wunden am Gesicht, an der Nase (an der Nasenspitze fand man mit Blut vermischte Erde und Steinteilchen) und an den Knien, besonders am rechten, verursacht durch die Stürze Jesu. Weil Jesus nicht mehr in der Lage war, alleine das Kreuz zu tragen, zwang man einen Mann namens Simon von Zyrene, „(...) damit er es hinter Jesus hertrage.“ (Lukas 23,26)
Die Kreuzigung
Die Kreuzigung war die grausamste und schmachvollste Art der Folter, die man zur Zeit Jesu kannte. Auf dem Grabtuch sieht man Wunden, die von der Durchnagelung der Handwurzeln stammen. Der Abdruck der Füße lässt darauf schließen, dass beide Füße mit nur einem Nagel durchbohrt und an den Längsbalken des Kreuzes befestigt wurden. Dabei lag der linke Fuß auf dem rechten. Man schlug die Nägel nicht durch die Handinnenflächen ans Kreuz, sondern durch die Handwurzeln, weil nur diese den Körper am Kreuz zu halten vermochten. Würde man die Nägel durch die Hände schlagen, so würden diese das Körpergewicht nicht halten können und auseinander reißen. Die Nägel schlug man deshalb in einen Hohlraum zwischen bestimmte Knochen in der Handwurzel. An dieser Stelle befinden sich keine größeren Blutgefäße, nur ein Nerv, der so genannte Nervus medianus, der für die Bewegungen des Daumens verantwortlich ist. „Die Nerven, die der Nagel berührte“, schreibt Dr. P. Barbet, „haben eine Bewegungsfunktion, gleichzeitig signalisieren sie Schmerzen. Dieser Schmerz ist zwar schrecklich, aber man kann ihn aushalten. Andernfalls würde der Mensch ohnmächtig werden.“ Aus der Wunde in der linken Handwurzel sind zwei Blutflüsse deutlich zu erkennen. Aufgrund dessen konnten die Wissenschaftler die Position der Hände am Querbalken rekonstruieren. Der Öffnungswinkel der Hände betrug 10°. Als Jesu am Kreuz hing, versuchte er, sich von Zeit zu Zeit hochzuziehen, um Luft zu schöpfen. Seine Position veränderte sich dann auf 65° zur Schulterachse und wenn er niedersank auf 55°. Für ein paar Augenblicke veränderte sich der Neigungswinkel der Schultern, und Jesus konnte aufatmen. Doch die Erschöpfung und der Schmerz zwangen ihn immer wieder zum Niedersinken. Dieses sich wiederholende Hochziehen und Niedersinken, gestützt auf die durchbohrten Hände und Füße, dauerte um die 3 Stunden und verursachte unvorstellbare Schmerzen. Im Laufe der Zeit wurde dieser Bewegungsrhythmus immer öfter notwendig und führte zur vollkommenen Erschöpfung und schließlich zum Tod.
Der Riss des Herzens
Die Analyse der rechten 1,5 cm breiten und 4,5 cm langen Seitenwunde sowie der große Blutverlust und die Flüssigkeitsansammlung in der Lunge weisen daraufhin, dass die unmittelbare Todesursache das Zerreißen des Herzmuskels aufgrund eines Infarktes war. Danach kam es zur Blutansammlung im Herzbeutel (es konnten sich dort sogar 2 l Blut angesammelt haben) und in der Brustfellhöhle, was eine Hämoperikardie auslöste. Das gewaltsame Zerreißen des Herzbeutels durch den Druck des sich darin befindlichen Blutes ruft einen lähmenden Schmerz in der Brustbeingegend hervor. Dies führte zum Schrei, nach dem Jesu verstarb. Der gewaltsame Tod bei vollem Bewusstsein und vollkommener Erschöpfung führt üblicherweise zur sofortigen Todesstarre. Dies erklärt die gespannte Position des Körpers auf dem Grabtuch.
Das durchbohrte Herz des Erlösers
Kurz nach Todeseintritt kam es zur Trennung des im Herzbeutel angesammelten Blutes auf rote Blutkörperchen, die sich im unteren Bereich der Brustfellhöhle angesammelt hatten, und auf farbloses Blutplasma, welches im oberen Bereich der Brustfellhöhle verblieb. Nachdem der Brustkorb mit der Lanze durchbohrt worden war, kam es zunächst zum gewaltsamen Ausfluss der roten Blutkörperchen und dann zum Ausfluss des farblosen Blutplasmas: „Blut und Wasser“, wie es der Evangelist Johannes beschreibt (Johannes 19,34). Das durchbohrte Herz des Erlösers ist für uns ein Zeichen, wie sehr Gott uns liebt. Indem er ganz Mensch wurde, hat er sich selbst entblößt und den menschlichen Tod sowie die Sünden aller Menschen auf sich genommen. Er, der ganz Unschuldige, der Gott-Mensch, der von keiner Sünde wusste, erfuhr am eigenen Leib, während seines Leidens und Todes am Kreuz, welch schreckliches Leiden die Sünde herbeiführt. Aber er hat unsere Krankheit getragen / und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, / von ihm getroffen und gebeugt. (Jesaja 53, 4-5) In dieser Erfahrung des schrecklichen Erleidens der Sünde und des Todes zeigte sich Jesus vollkommen dem Vater gehorsam. Durch diesen Gehorsam besiegte er die Sünde und den Tod. Das Leiden Jesu erreichte seinen Höhepunkt während des Todeskampfes am Kreuz, als Er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?.“ (Matthäus 27,46) Mit seinem Leiden kommt Jesus überall dort an, wo die zerstörende Kraft der Sünde herrscht. Er überwältigt diese durch die Macht Seiner Liebe und Seines Gehorsams dem Vater gegenüber. Durch diese vollkommene Liebe und durch diesen Gehorsam besiegte Jesus bei Seinem Sterben und Seiner Auferstehung endgültig den Tod und die Sünde.
„Das Grabtuch lässt uns das Geheimnis des Leidens entdecken, welches durch das Opfer Christi geheiligt worden ist, und zur Quelle der Erlösung für die ganze Menschheit wurde“, sagte Johannes Paul II. in Turin. “Das Grabtuch ist zugleich Spiegelbild der Liebe Gottes und der Sünde des Menschen. Es ruft uns auf zur Entdeckung der tiefsten Ursache des Erlösungstodes Jesu. Dieses Zeugnis vom unvorstellbaren Leiden bewirkt, dass die Liebe dessen‘(...) der die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab ‚ (Johannes 3,16), greifbar wird und ihre erstaunlichen Ausmaße offenbart. Angesichts dieses Leidens muss der gläubige Mensch mit tiefer Überzeugung ausrufen: ‘Herr, Du konntest mich nicht mehr lieben! ‚ und zugleich sich darüber klar werden, dass die Ursache dieses Leidens in der Sünde liegt: in der Sünde jedes Menschen. Das Grabtuch ruft uns alle dazu auf, in unsere Herzen das Ebenbild der göttlichen Liebe zu meißeln und die schreckliche Realität der Sünde daraus zu verbannen. Die Betrachtung dieses misshandelten Körpers hilft dem modernen Menschen, sich von der Oberflächlichkeit und dem Egoismus zu lösen, die so oft sein Verhältnis zur Liebe und Sünde bestimmen. In der leisen Botschaft des Grabtuchs hört der Mensch das Echo der göttlichen Worte und der jahrhundertealten, christlichen Erfahrung: glaube an die Liebe Gottes, den größten der Menschheit geschenkten Schatz, und hüte dich vor der Sünde, dem größten Unglück in der Geschichte der Menschheit.“ (Turin 24.05.1998)
Er sah und glaubte
Der Apostel Johannes glaubte an die Auferstehung Jesu, noch bevor er den Auferstandenen gesehen hatte. Diese ungewöhnliche Entdeckung der Wahrheit über die Auferstehung beschreibt er in seinem Evangelium.
Als Maria Magdalena den Aposteln die Nachricht überbrachte, dass das Grab Jesu leer ist, liefen Johannes und Petrus ungläubig zur Begräbnisstätte ihres Herrn, um diese Nachricht selbst zu überprüfen. Als sie dort ankamen und in das offene Grab hineingingen, fanden sie dort nur Leintücher, der Leib des Herrn war nicht mehr da. In diesem Augenblick, obwohl er den Auferstandenen noch nicht gesehen hatte, „sah und glaubte“ (Johannes 20, 8) Johannes. Was brachte Johannes dazu, schon zu dieser Zeit an die Auferstehung Christi zu glauben? Bevor wir diese Frage beantworten, wollen wir uns die bereits bekannten Fakten nochmals vor Augen halten.
Jüdische Grabvorschriften
Archäologische Ausgrabungen bestätigen, dass Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten in Israel, so auch das Grab Josefs von Arimathäa, indem Jesus beerdigt worden ist, in Felsen gehauen wurden. Um in so eine Grotte zu gelangen, musste man sich bücken. So wird es auch in den Evangelien des Johannes und Lukas beschrieben. Man nimmt an, dass Josef von Arimathäa eine mehrere Meter lange Stoffrolle aus Leinen erwarb, aus der ein über vier Meter langes Leichentuch und mehrere große Binden (othonia) geschnitten wurden, die man dazu verwendete, den ganzen Körper Jesu zu umhüllen – mit Ausnahme des Kopfes, den man mit einem Schweißtuch (sudarion) bedeckte. Die jüdischen Vorschriften verlangten, dass man denjenigen, der eines gewaltsamen Todes starb, mit seinem „Lebensblut“ begrub. Da sie das jüdische Gesetz kannten, wuschen und balsamierten Nikodemus und Josef von Arimathäa den Leichnam Jesu nicht, sondern umwickelten ihn ganz in Leinen. Dies spricht für die geschichtliche Glaubwürdigkeit der Überlieferung. Antonio Persili, ein Kenner des griechischen Altertums, stellte richtigerweise fest, dass der Leichnam Jesu zunächst mit dem über vier Meter langen Leichentuch umhüllt wurde, damit niemand den Körper berühren und noch zusätzlich Blut vergießen konnte. Danach wurde der gesamte Körper mit Binden (othonia) umwickelt, mit Ausnahme des Kopfes, den schon das Leichentuch umhüllte. Während dieser mit der Grablegung verbundenen Tätigkeiten präparierte man das Leinen von Innen und Außen mit einer großen Menge wohlriechender Öle. Der hl. Johannes schreibt, dass es sich um jeweils ungefähr 100 Pfund (32,7 kg) Myrrhe und Aloe gehandelt hat (Johannes 19, 39). Davon wurde ein Teil auf den Grabstein ausgegossen und auch für die Grabwände verwendet. Um den Kopf Jesu zu umhüllen, wurden ebenfalls zwei Tücher gebraucht, eins von Innen um das Kinn festzubinden und eins von Außen um zu verhindern, dass die Myrrhe und Aloe zu schnell verdampfen. Außerdem verhielt es sich so, dass die Wunden im Gesicht und am Kopf zu großem Blutverlust geführt hatten und das Leichentuch damit durchtränkt wurde. Deshalb musste man den Kopf Jesu mit einem zusätzlichen Tuch bedecken. All diese Tätigkeiten wurden außerhalb des Grabes auf einem zur Einbalsamierung bestimmten Stein ausgeführt. Danach wurde der Leichnam Jesu ins Grab getragen und auf einer in den Felsen gehauenen Steinbank hingelegt. Den Eingang des Grabes verschloss man mit einem großen Stein (Matthäus 27,60).
Was sah der Apostel Johannes, als er das Grab des Herrn betrat? Warum überzeugte ihn das, was er sah, von der Auferstehung Christi?
„Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an besonderer Stelle“ (Johannes 20, 6-7). Dies ist die Übersetzung aus der Jahrhundert-Bibel, der griechische Originaltext jedoch spricht davon, dass die Leinbinden „keimena“ waren, was bedeutet, dass sie flach ausgebreitet dalagen, innen leer, aber unberührt - weder auseinandergelegt noch beschädigt. Der Autor wollte damit sagen, dass die Binden flach dalagen, weil sich der Leib Christi nicht mehr in ihnen befand; vorher waren sie erhoben, weil sie den Leichnam umhüllten und der Leichnam sich in ihnen befand. Als Johannes die unberührten, flach liegenden Grabtücher mit den immer noch zusammen gebundenen Binden sah, war das für ihn ein sichtbares Zeichen der Auferstehung. Der hl. Johannes schreibt auch über das Tuch, welches sich auf dem Kopf Jesu befand (Johannes 20, 7). Das Schweißtuch war ein 60x80 cm langes Stück Stoff. Josef von Arimathäa schnitt es sicherlich aus der Stoffrolle, aus der er auch das über vier Meter lange Grabtuch sowie die Binden zum Umhüllen des Körpers geschnitten hatte. Der Evangelist möchte sagen, dass dieses Tuch nicht flach auf dem Grabstein lag. Persili schreibt: „Kenner der Geometrie im griechischen Altertum verwendeten den Ausdruck keimenon schema, um eine Figur in waagerechter, horizontaler Lage zu beschreiben.“ Der hl. Johannes möchte uns dasselbe vermitteln: die Binden waren waagerecht ausgebreitet, während das Tuch erhoben war. Deshalb betont der schon erwähnte griechische Theologe, dass der griechische Text „alla choris entetyligmenon“ (Johannes 20,7) den folgenden Gedanken enthält: das Tuch, das auf dem Kopf Jesu lag, befand sich nicht an einer anderen Stelle, sondern vielmehr in einer ungewöhnlichen, besonderen Lage: es war nicht – wie die Binden und das Grabtuch – waagerecht ausgebreitet auf dem Grabstein, sondern sah so erhoben aus, als ob es immer noch den Kopf umhüllte. Als der Evangelist die unberührten Binden, das Grabtuch und das Schweißtuch sah, verstand und glaubte er, dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist. Nach dem Entschwinden des Körpers fielen die den Körper umhüllenden Binden und das Grabtuch in sich zusammen und lagen horizontal ausgebreitet. Währenddessen behielt das Schweißtuch aufgrund des schnellen Verdampfens flüssiger Aloe und Myrrhe daraus seine ursprüngliche Lage bei, so erhoben wie es auch vorher den Kopf des Verstorbenen umhüllte. Die Apostel Petrus und Johannes sahen deshalb die „ausgebreiteten Binden, das Schweißtuch jedoch, welches sich auf seinem Kopf befand, lag nicht ausgebreitet wie die übrigen Binden, sondern im Gegenteil – umhüllend in besonderer Lage.“ (Johannes 20,7) Nur der geheimnisvolle Übergang des Körpers Jesu vom Tod ins Leben in eine andere, zeitenthobene Existenz, allen physikalischen Gesetzen zum Trotz, konnte die unberührte Form der Grabbinden erklären, die Petrus und Johannes sahen. Dies war für Johannes ein sichtbares Zeichen der Auferstehung, und deshalb schrieb er im Evangelium, dass er „sah und glaubte.“ (Johannes 20,8)
Die Auferstehung Jesu ist ein großes Geheimnis des Übergangs vom Tod ins ewige Leben, in die göttliche Dimension des Seins. Dieses Ereignis hinterließ auf der Erde materielle Spuren, sichtbare Spuren, die wir bis zum heutigen Tag betrachten und untersuchen können. Diese Zeichen sind die leinenen Grabtücher, mit denen nach dem Tod der Körper Jesu umhüllt worden ist; es handelt sich um das Grabtuch, auf dem sich der geheimnisvolle Abdruck des ganzen Leibes befindet und das Schweißtuch (sudarion) mit den Blutspuren.
Der Kampf um das Turiner Grabtuch
Nur Menschen, die sich in der Macht des Bösen befinden, haben ein Interesse daran, die Wahrheit über das Turiner Grabtuch zu verfälschen. Solch ein Versuch wurde unternommen, als man die Entstehungszeit des Grabtuchs mit der Kohlenstoff-Methode C- 14 zu bestimmen versuchte.
Im Jahre 1982 wurde eine wissenschaftliche Kommission einberufen, die ein Programm zur Untersuchung des Alters des Grabtuchs unter Anwendung der C-14 Methode entwickeln sollte. Man war sich damals einig, dass der Test nur dann glaubwürdig und zuverlässig sein würde, wenn man die Eigenheiten des Grabtuchs besonders berücksichtigt; denn dieses war im Laufe der Jahrhunderte stark verschmutzt worden: Fremdsubstanzen sind von außen ins Tuch eingedrungen. Andere Faktoren haben auch ihre Spuren hinterlassen, so dass die ursprüngliche Gestalt der Fasern tiefen Veränderungen unterlag. Während des Brandes im Jahre 1532 brannte das Grabtuch an einigen Stellen durch. Aus diesen Gründen waren einige Wissenschaftler dagegen, dieses mit der Methode C-14 zu untersuchen, da 15 % der Gesamtstruktur des Stoffes aus Fremdmaterial bestand. Die Kommission plante eine Untersuchung des Stoffes zur Feststellung seiner Entstehungszeit mit der Methode C-14. Dies sollte in Verbindung mit anderen Untersuchungen durchgeführt werden – bei einer engen Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus anderen Fachgebieten und unter strengster Geheimhaltung. Vor ihrer Veröffentlichung sollten die Ergebnisse zunächst dem Vatikan vorgestellt werden. Die Karbonisten, Spezialisten der Methode C-14, waren mit diesen Bedingungen einverstanden. Drei Laboratorien: in Oxford (England), Zürich (Schweiz) und in Tucson (Arizona/USA), die eine kostenlose Durchführung der Untersuchungen anboten, verpflichteten sich schriftlich, die ihnen vorgestellten Bedingungen zu erfüllen. Was dann jedoch geschah, ließe sich nur mit der Handlung eines Kriminalromans sich vergleichen.
Nicht eingehaltene Vereinbarungen
Die Stoffprobe wurde aus der unteren rechten Seite des vorderen Abbildes entnommen. Diese Stelle gehörte zu den am meisten verunreinigten, denn direkt daneben liegt eine durch geschmolzene Silbertropfen aus dem Brandjahr 1532 durchgebrannte Stelle. Hier wurde der Stoff im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals repariert. Nach Erhalt der Stoffproben gingen die Karbonisten in hinterhältiger Art und Weise daran, ihr Ziel zu erreichen. Sie verzichteten auf die chemische Untersuchung der Fasern, was eine schwere Vernachlässigung war, weil man dann die Ergebnisse beliebig verfälschen und manipulieren konnte, ohne dass dieses Prozedere nachgewiesen werden konnte. Außerdem ließen die Fachleute keine Zusammenarbeit und Beobachtung ihrer Untersuchungen zu. Die Durchführung der Analyse wurde von den oben erwähnten Laboratorien sehr genau geplant. Die ganze
Angelegenheit hatte man entsprechend medienwirksam dargestellt, damit der ganzen Welt verkündet werden konnte, dass es sich bei dem Grabtuch um eine mittelalterliche Fälschung handelt. Eigentlich verwundert dies nicht, da die Karbonisten schon vor der Durchführung der Tests behaupteten, dass das Grabtuch aus dem Mittelalter stammt. Der Hauptverantwortliche der Untersuchungen, M. Tite, sagte damals, dass das Grabtuch eine mittelalterliche Fälschung sei und er sich sehr darüber wundere, mit welch fanatischem Enthusiasmus die Amerikaner dieser Reliquie gegenüber auftreten. Wie es sich später herausstellte, kam es zu groben Fahrlässigkeiten bei der Entnahme der Stoffproben und im Verlauf der Untersuchungen selbst. Den unterschriebenen Vereinbarungen gemäß sollten alle Laboratorien die Untersuchungen gleichzeitig durchführen. In Wirklichkeit aber wurden die Analysen im zeitlichen Abstand durchgeführt: zunächst in Tucson (06.05.1988), danach in Zürich, wo es bereits bei einer früheren Untersuchung mit der Methode C-14 zu einer Fehldatierung mit einem Unterschied von 1000 Jahren kam. Im Oxforder Laboratorium wurden die Untersuchungen erst am 08.08.1988 durchgeführt. Die Verantwortlichen versuchten, diese Verzögerungen durch die Notwendigkeit der Reinigung der erhaltenen Stoffproben zu erklären. Dieses Verfahren dauerte jedoch in Wahrheit sehr kurz und wurde vor laufenden Kameras durchgeführt. Allen Vereinbarungen entgegen reiste ein Fernsehteam nach Zürich, um die Untersuchungen zu filmen. Diese sehr unseriöse Handlungsweise des Züricher Laboratoriums verletzte alle getroffenen Vereinbarungen, vor allem die der vollkommenen Geheimhaltung der Vorgänge.
Eine mittelalterliche Fälschung?
Die Stoffprobe wurde vor laufenden Kameras gewogen und gereinigt. Es stellte sich heraus, dass sie leichter war als zum Zeitpunkt der Entnahme und nur 1% Verunreinigungen enthielt. Die Gewichtsreduzierung versuchten die Karbonisten durch Feuchtigkeitsverlust zu erklären, was vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus eine kompromittierende Aussage darstellt. Frühere Untersuchungen jenes Teils des Grabtuchs, aus dem die Stoffprobe stammte, zeigten eine fünfzehnprozentige Verunreinigung. Auf der Oberfläche der Fasern stellte man damals die Existenz einer dicken, fest anliegenden Schicht fremden Materials fest. Schon vom 10.05.1988 kam es zu Gerüchten, welche an die Presse weitergegeben wurden, dass es sich bei dem Grabtuch um eine mittelalterliche Fälschung handelt. Nach der Durchführung der Untersuchungen durch das Oxforder Laboratorium veröffentlichte der Evening Standard auf der ersten Seite, dass das Grabtuch eine Fälschung aus der Zeit um 1350 n.Chr. sei. Dabei wäre es keinem ernstzunehmenden und wahrheitsliebenden Wissenschaftler in den Sinn gekommen, andere Forscher von der Arbeit an der Entstehungszeit des Grabtuches auszuschließen. Ebenso würde er niemals die Ergebnisse seiner Untersuchungen als einzig wahre und unanfechtbare verkünden und andere wissenschaftliche Disziplinen samt ihrer Ergebnisse dabei ignorieren und ausklammern. Indes verkündeten drei Vertreter der erwähnten Laboratorien, E. Hall, M. Tite und R. Hedges, während einer Pressekonferenz im British Museum am 14. Oktober 1988, dass das Turiner Grabtuch eine mittelalterliche Fälschung aus den Jahren 1260-1390 sei. Darüber hinaus verkündeten die Forscher, dass dies eine unanfechtbare Tatsache ist, da die Methode C-14 unfehlbar sei. Ihrer Meinung nach dürfte kein zuverlässiger und wahrheitsliebender Wissenschaftler das Grabtuch für authentisch halten. Tite riet von weiteren wissenschaftlichen Arbeiten an dem Grabtuch ab. Seiner Meinung nach sollte die Kirche die Turiner Reliquie in Ruhe lassen. Auf diese Art und Weise wollten die Karbonisten die Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler, die eindeutig auf die Authentizität des Grabtuchs hinwiesen, in Frage stellen. Berühmte wissenschaftliche Größen widersprachen damals energisch dieser Haltung und meinten, man müsste sich mit der vermeintlichen Unfehlbarkeit der Methode C-14 auseinandersetzen. „Die Laboratorien haben sich so verhalten, als wären sie aller Gesetze enthoben.
Wäre der Abdruck auf dem Turiner Grabtuch eine Fälschung, dann wäre dies ein größeres Wunder als die Auferstehung Christi, denn es bedeutete, dass die heutige Wissenschaft sich nicht mit den Fähigkeiten eines Fälschers aus dem Mittelalter messen kann
Dabei bedienten sie sich der Mittel der Erpressung und Druckausübung, indem sie vollkommen die von vornherein festgelegten Vereinbarungen missachteten und erfahrene Spezialisten bei Seite schoben, um jeglicher Beobachtung und Kontrolle zu entgehen“ – schrieb Prof. Barberis. Der italienische Gelehrte Luigi Gonella, von dem skandalösen Verhalten der Karbonisten schockiert, schrieb in der italienischen Zeitung La Stampa: „Viel seriöser als die Forscher, die allen skandalheischenden Zeitschriften verkündeten, dass das Grabtuch eine mittelalterliche Fälschung sei, verhielten sich die Aufseher der Turiner Kathedrale, die über die Entnahme von 7 Zentimetern des Lakens Schweigen bewahrten (...). Kardinal Ballestrero wurde von ihnen (den Karbonisten, Anm. d. Ü.) so behandelt, als ob sie es mit dem Direktor eines Provinzial-Museums zu tun hätten (...). Die Wissenschaftler hatten kein Vertrauen zum Kardinal, was die Entnahme der Stoffprobe anging, und reisten deshalb zahlreich nach Turin. Später waren sie auch nicht damit einverstanden, dass der Vertreter der Kirche bei den Untersuchungen und Analysen dabei ist und als Beobachter fungiert. Ich habe es bereits gesagt und sage es noch einmal: meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um eine antikatholische Verschwörung einiger näher bestimmter Kreise, die jetzt die Kirche nicht mehr beschuldigen können, sie hätte sich den Tests mit der Methode C-14 entzogen.“ Nach dieser scharfen Kritik seitens vieler wissenschaftlicher Autoritäten schrieb Tite in einem Brief aus dem Jahre 1989 an Prof. Gonelli: „Ich persönlich halte nicht daran fest, dass das Ergebnis der Untersuchung der Entstehungszeit mit radioaktivem Kohlenstoff darauf hinweist, dass das Grabtuch eine Fälschung ist.“
Die Wahrheit siegt immer
Die „American Shroud of Turin Association for Research“, eine Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler verschiedener Forschungsbereiche, die sich mit dem Turiner Grabtuch beschäftigen, verkündete am 19. Januar 2006 die Ergebnisse ihrer mehrjährigen Untersuchungen. Unter anderem stellte man fest, dass die im Jahre 1988 durchgeführten und medienwirksam vorgestellten Tests mit der Methode C-14 zur Feststellung des Alters des Turiner Grabtuchs nicht am Original durchgeführt worden waren. Wie bereits erwähnt, legte der Test mit der Methode C-14 die Entstehungszeit des Grabtuchs in die Jahre 1260-1390 n.Chr. Die amerikanischen Wissenschaftler von der „Shroud of Turin Association“ konnten jedoch beweisen, dass diese Datierung nicht richtig ist, weil die Stoffprobe an falscher Stelle entnommen worden war.
Die ganze Angelegenheit stellte man entsprechend medienwirksam dar, um der ganzen Welt zu verkünden, dass es sich bei dem Grabtuch um eine Fälschung aus dem Mittelalter handelt
Ihre Entdeckungen wurden in der wissenschaftlichen Schrift Thermochemica Acta (Vol. 425, No. 1-2, S. 189-194) veröffentlicht. Professor Raymond Rogers, Mitglied von „Los Alamos National Laboratory“ in New Mexico, konnte beweisen, dass die chemischen Untersuchungen eindeutig festlegen, dass das Leinen des Turiner Grabtuches in Wirklichkeit um über 1000 Jahre älter ist, als dies der Test mit der Methode C-14 festgestellt haben will. Es existiert ein gravierender Unterschied zwischen dem Material, das für den Test C-14 entnommen worden ist und dem Material, das den Hauptteil des Grabtuchs bildet. Besonders sichtbar ist dies auf den ultraviolett-fluoreszierenden Photographien, die im Jahre 1978 von V. Miller gemacht wurden. Die Bilder zeigen, dass die Stelle, aus der die Stoffproben stammen, dunkel ist, was bedeutet, dass sie eine andere chemische Zusammensetzung hat als der Hauptteil des Grabtuchs. Wenn es nicht gelingt, die Wahrheit über das Grabtuch zu verfälschen, so versucht man, es vollkommen zu zerstören. Der berühmte italienische Schriftsteller Vittorio Messori sagte im Wochenblatt Oggi, dass in den Jahren 1972-1973 fünf mal versucht worden war, die Kapelle Guarini, in der sich das Grabtuch befand, niederzubrennen. Eine dieser Brandproben war leider erfolgreich. Am 11. April 1997 wurde die Marmorkapelle von innen durch eine besonders gefährliche Substanz, höchstwahrscheinlich eine Phosphor-Bombe, entzündet. Nur durch ein Wunder konnte die kostbare Reliquie vor der vollkommenen Zerstörung bewahrt werden. Von da an wird das Grabtuch an einem geheimen Ort aufbewahrt, von dem nur einige Personen wissen. Messori schließt eine internationale Verschwörung freimaurerischer Kreise und islamistischer Fundamentalisten nicht aus, die ein besonderes Interesse daran haben, dass dieser besondere Zeuge des Todes und der Auferstehung Christi vollkommen zerstört wird. Das Turiner Grabtuch ist eine besondere Reliquie, die das menschliche Gewissen rührt und jeden und jede dazu aufruft, sich für oder gegen Christus auszusprechen. Man muss sich auf das Geheimnis des Menschen hin öffnen, und sich auf die Suche nach der versteckten Gegenwart Jesu Christi begeben, weil er als Einziger eine wahre Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Leiden und Sterben gibt.
Es gibt für den Menschen nichts Wichtigeres als seine Bestimmung
„Man muss suchen“, schreibt Pascal. „Wenn ich dir sage, dass du dich auf die Suche begeben musst, dann tue ich dies nicht aufgrund des heiligen Eifers eines frommen Menschen (…). Ich sage, wir müssen uns auf die Suche begeben, nicht um einer geistigen Frömmigkeit willen oder gar der gewöhnlichen Neugier wegen, sondern für unseren eigenen persönlichen Nutzen. Die Gleichgültigkeit gegenüber folgender Sachlage verwundert und erschreckt mich zugleich: die Ewigkeit, die der Tod mit sich bringt, ist eine so bedeutende und erhabene Sache, uns dermaßen tief gehend und betreffend, dass man jeglicher Logik bar sein muss, wenn man diesen Problemen gegenüber gleichgültig bleibt. (…) Es gibt für den Menschen nichts Wichtigeres als seine Bestimmung; nichts ist beunruhigender als die Ewigkeit, die ihn erwartet. Ganz anders hingegen benimmt der Mensch sich anderen Dingen des Lebens gegenüber: er ängstigt sich, vertraut, beugt vor, informiert sich. Und eben dieser Mensch, der so viele Tage und Nächte in Wut und Verzweiflung wegen eines Misserfolgs in seinem Berufsleben verbringt, steuert gedankenlos auf den Tod zu, bei dem es doch um alles oder um nichts geht. Es ist für mich schrecklich mit anzusehen, mit welch großem Einfühlungsvermögen der einfache Mensch sich um kleine und vergängliche Dinge sorgt, aber das, was wirklich zählt und ewig währt, gleichgültig vernachlässigt.“
Zuguterletzt
Im Jahre 1978 hatte ein Forscherteam der NASA die Erlaubnis erhalten, am Turiner Grabtuch umfangreiche Tests durchzuführen. Mit Hilfe diverser Techniken erhielten die Forscher vom Gesicht des heiligen Grabtuches eine dreidimensionale Fotografie. Nun erstellte man ein Positiv des Bildes, welches sich bekanntlich als fotografisches Negativ auf dem Grabtuch befindet. Mit großem Schock bemerkte ein NASA-Forscher (damals Atheist) während der Überprüfung der Ergebnisse, beim siebten Abdruck des Bildes das Christus-Antlitz mit geöffneten Augen - und nicht wie auf dem Grabtuch - mit geschlossenen Augen. Dieses Erlebnis hinterliess bei dem Forscher solch einen Eindruck, dass er sich zum christlichen Glauben bekehrte. Das Bild wird seither als "übernatürlich entstanden" eingestuft.










