Eine orthodoxe Christin über den klassischen römischen Ritus
Tatjana Goritschewa wurde 1947 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, geboren. Sie studierte Philosophie und Radiotechnik. Ihre ganze Jugend war geprägt von der Erziehung des atheistischen Kommunismus. Trotzdem verließ Tatjana mit 26 Jahren die staatlich verordnete Weltanschauung. Sie wurde Christin. "Wenn ich gefragt werde", sagt Goritschewa, "was mir die Hinkehr zu Gott bedeutet, was mir durch diese Bekehrung erschlossen wurde und wie sich mein Leben verändert hat, kann ich ganz einfach und kurz darauf antworten: alles. Alles hat sich in mir und um mich verändert. Um es noch genauer zu sagen: Erst als ich Gott gefunden hatte, fing mein Leben an." Goritschewa gründete die erste Frauenbewegung in der Sowjetunion, organisierte religiöse Seminare und veröffentlichte zwei Zeitschriften im Untergrund. Nach vielen Verhören und Verhaftungen wurde sie 1980 ausgewiesen. In einem ihrer Tagebücher berichtet sie über ihre erste Begegnung mit der klassischen römischen Liturgie im Kloster Le Barroux in Frankreich:
Guter Gott, das habe ich gar nicht gewusst, dass es im Westen eine solche Messfeier gibt! Fülle, Feinheit, Ernsthaftigkeit, Geheimnis, Licht, Erneuerung – ja, das ist ebenso wie unsere orthodoxe Liturgiefeier auch, sie kam aus dem himmlischen Jerusalem zu uns. Wir hatten uns verspätet, waren gerade angekommen und konnten so nur noch die letzten Minuten des Gottesdienstes im Kloster der heiligen Maria Magdalena in Barroux miterleben. Und diese wenigen Minuten genügten, mich mit völlig neuem Leben zu erfüllen: Wie lange schon bin ich auf der Suche nach einer ähnlich kräftigen Speise.
An anderer Stelle:
Die Liturgie wird (in der Ostkirche) nicht als etwas Gemachtes verstanden, sondern als Offenbarung. Und man verstehe richtig: Sie ist Offenbarung, in der jedes Wort heilig ist. (…) Man braucht nur die die Kirchen und Kathedralen im Westen anzuschauen, oder nur die Kirchenfenster, um festzustellen, welch wunderbaren Reichtum die katholische Tradition hat. Warum will man das alles aufgeben? Warum ist man so armselig mittelmäßig geworden? Eines möchte ich klarstellen: Ich will gar nicht, dass man hier orthodox zelebriert, oder – und dann möglichst noch sentimental – orthodoxe Gesänge pflegt, um dann zu erklären: „So, jetzt sind wir mystisch reicher.“ Ich ziehe es vor, dass die Menschen ihre eigene Tradition entdecken – aber in ihrer ganzen Fülle. Kürzlich habe ich ein katholisches Kloster (Le Barroux) in Frankreich kennengelernt, in dem das Schweigen eingehalten und gefastet wird. Am Tag gibt es siebenmal Chorgebet, ein achtes Mal am Abend. Zehn Minuten nur war ich dort zur Heiligen Messe. Ich habe sofort verstanden: Das ist meine Liturgie, das ist meine Messe – auch wenn sie mir ganz ungewohnt ist. Es scheint, dass ich damit nicht allein stehe. Das Kloster hat Zulauf. Es hat 50 Mönche. Der älteste ist 27 Jahre alt (Anm.: damals).
Bekannt sind auch die Aussagen Goritschewas, dass die Ostkirche nur durch ihre Liturgie die Hölle des Kommunismus überleben konnte.
Meine Entdeckung der Heiligen Messe: Brief einer 24jährigen
Ich wusste, dass früher die Heilige Messe „lateinisch“ gelesen wurde, kannte jedoch von klein auf nur die moderne deutsche Messe. Wenn in der Mette an Weihnachten oder in der Osternacht lateinisch zelebriert wurde (der Ritus blieb stets jener der deutschen Messe), fand ich das immer besonders feierlich… Das war aber alles in Bezug auf das Wissen, wie es früher war.
Meine Eltern empörten sich des Öfteren über gewissen moderne „Zelebrierungsmethoden“, die sich vom klassischen Liturgieverlauf entfernten. Mir kamen solche Maßnahmen – wenn zum Beispiel gleich am Anfang der heiligen Messe die Lesung gehalten wurde, oder wenn die Wandlungsworte frei nach der Intention des Priesters gesprochen wurden – komisch vor, aber ich akzeptierte sie. Als mir vor Monaten eine Kollegin den tridentinischen Ritus näherzubringen versuchte, waren meine Ohren noch vollkommen verstopft. Die „Gemeinschaft“ stand mir viel zu wenig im Vordergrund, das Mitlesen im Schott empfand ich als wahnsinnig kompliziert und mühsam. Ach, wie sehr lässt man sich doch von den Meinungen der großen Masse betören und verschließt somit den Anruf von oben?
Der liebe Gott hat unendliche Geduld. Darüber kann man gar nicht genug staunen.
Nachdem ich mich zu den Exerzitien angemeldet hatte, wo die Gottesdienste im alten Ritus gelesen würden, mischten sich ehrlich gesagt, auch Bedenken mit herein. Jeden Tag „lateinische“ Messe…wie wird das wohl werden?
Das geschah das vollkommen Unerwartete: Ich glaube, es war am dritten Exerzitientag, an dem es mich richtig packte. Man kann das schwer in Worte fassen, was der liebe Gott mich da offensichtlich erfahren ließ. Ich durfte zum ersten Mal im Leben erahnen, was „Heilige Messe „ überhaupt heißt, die ganze Heiligkeit, die darin enthalten ist, das unfassliche Geheimnis…! Es ist nicht wahr, dass ein Ritus auf reinen Äußerlichkeiten beruht. Es ist nicht wahr, dass es „darauf doch nicht ankommt“. Es ist nicht war, dass wir mit der in ihrem Wesen von Gott geschenkten Liturgie machen können, was wir wollen, je nach Zeit, Stimmung, Bequemlichkeit…
Mit einem Schlag wurde mir klar, wie weit weg ich bisher vom diesem Wesen der Liturgie entfernt war. Innerlich schüttelte es mich. Es war eine große Gnade, ein Geschenk Gottes.
Es ist ganz sicher kein Zufall, dass ich dieses Geschenk in der alten Messe erhalten durfte. Was ich von vorher in der Theorie wusste, wurde zum Erlebnis und zur Erfahrung, zur Erkenntnis: „Alte Heilige Messe im tridentinischen Ritus“ heißt nicht nur „lateinisch“. Es heißt Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi in seiner heiligen, ursprünglichen Form. Ein Abbild der himmlischen Liturgie – Gott steht im Mittelpunkt und nicht der Mensch, der nach „Problemlösungen“ und „Selbstverwirklichung“ Ausschau hält. Der innere Opfervollzug ist wesentlich, hierfür ist der geordnete äußere Vollzug (=Ritus), in dem die Ausrichtung zum Göttlichen im Zentrum steht, gottgewollt, gottgefällig – und letztlich notwendig. Die Möglichkeiten des Besuchs der alten heiligen Messe sind beschränkt. Eine traurige Tatsache. Wir sollten dafür beten, dass es gerade diesbezüglich wieder anders wird in unserer Kirche, wir sollten uns viel mehr einsetzen dafür, und zwar jeder!
Einstweilen sollen wir weder Weg noch Zeit scheuen – jeder nach seiner Möglichkeit. Hand aufs Herz: Wieviel Mühe nehmen wir oft auf uns, zu irgendwelchen Veranstaltungen zu kommen (Sport, Unterhaltung, etc.)? Und für den Herrgott soll uns jede Mühe zu viel, zu umständlich sein? Sicher, manchmal wird es in der Tat nicht möglich sein, einer tridentinischen Messe beizuwohnen, und wir besuchen wieder die nachkonziliare. Aber wer auch nur ein wenig vom Wesen der alten Messe erfassen durfte, wird jetzt hier wenigstens versuchen, im Geiste der alten Liturgie die heilige Eucharistie mitzufeiern.
Ich freue mich jetzt stets von Neuem sehr darauf, wenn ich die alte Messe besuchen kann. Obwohl ich ganz am Anfang des „Erfassens“ dieses Geheimnisses stehe, darf ich bereits die Kraft spüren, die davon ausgeht. Sie ist gar nicht anders zu erklären, als dass sie von Gott kommt!
Danke lieber Gott!
Ilona S., damals 24 Jahre alt.
Die Schönheit der tridentinischen Liturgie oder "Wie ich den tridentinischen Ritus entdeckt habe"
Da keiner von uns zu ministrieren weiß, liest der Priester, der nach einigen Minuten der Sammlung nun prachtvoll gekleidet vor den Altar schreitet, alle Texte selbst, mal still, mal laut. Das gemurmelte Gebet und die Andacht der Anwesenden entrücken mich zusehends mehr. Ein Schleier scheint sich langsam und schwer vor mir zu erheben, so als ob ein Engel mich in die Heiligkeit und Schönheit dieses Ritus einführen wollte. Unscharf werden die Grenzen von Zeit und Raum und ich fühle mich in einen zeitlosen, göttlichen Lobpreis hineinversetzt. Die Anmut der Bewegungen des Priesters, das Ineinanderfließen der Gebete und Gesänge sowie die Schönheit der Kapelle erheben mein Herz gleichsam in einem göttlichen Dreiklang und öffnen es weit für diesen kostbaren Schatz der katholischen Kirche.
Es war eine heilige Messe, die ich nie wieder vergessen werde. Mit einem Schlag hatte ich verstanden, dass hier nicht der Priester einfach mit dem Rücken zum Volk die Messe für sich feiert, während wir Laien uns zwangsläufig langweilen müssten, teilnahmslos einem antiquierten Schauspiel beiwohnend. Nein, wir beteten gemeinsam zu Gott, unserem Herrn und Erlöser, jeder auf seine - seiner Berufung angemessene - Art.
Was das Ohr nicht versteht, erfasst das Herz auf mystische Weise. Später habe ich oft tridentinische Messen mit dem Schott mitgefeiert, so dass mir nach und nach viele Feinheiten und Schönheiten mehr erschlossen wurden. Auch die Vertrautheit mit dem Ablauf und den Texten des Neuen Ritus, oder des „ordentlichen Ritus“, wie wir diesen nun nennen dürfen, hat sehr dazu beigetragen, dass ich manches, was im „außerordentlichen Ritus“ schleierhaft erscheinen könnte, besser verstehen kann.
Ich glaube nicht, dass man den einen gegen den anderen Ritus gegeneinander ausspielen sollte, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Kennenlernen der „Alten Messe“ für jeden Katholiken, der die Kirche liebt, von enormem Wert sein kann. Wie viele Heilige vor uns die Messe in genau dieser Form geliebt und gefeiert haben, kann man gar nicht ermessen. Diese Messe erscheint mir im Gesamten als größtes und tiefstes geistiges Kunstwerk der Geschichte. Wer einmal die Größe und Schönheit der Tridentinischen Messe erfahren hat, wird nicht umhin kommen, jede Messe im „Novo Ordus Missæ“ an diesem „Modell“ zu messen. Ich liebe die Messe im Neuen Ritus, würde mir jedoch sehr wünschen, dass die Liturgie nach dem Missale von Papst Johannes XXIII. die Anerkennung erfahren würde, die ihr zusteht. Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ Papst Benedikts XVI. vom 7.07.2007 ist ein großer und visionärer Schritt in diese Richtung. Möge die Intoleranz der Liberalen und die Unkenntnis der Unwissenden weichen zugunsten einer umfassenden Liebe für die zeitlosen Schätze der katholischen Kirche, zu der die Tridentinische Messe zweifellos zählt und immer zählen wird.
"ich bin fest davon überzeugt, dass das Kennenlernen der „Alten Messe“ für jeden Katholiken, der die Kirche liebt, von enormem Wert sein kann"
sehe ich genauso !!!
Quelle: Davidanniblog.com











