Warum der klassisch römische Ritus?

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In tiefer Dankbarkeit für die Arbeit des Autors Dr. Felix Bentz

Die „Alte Messe“ ist eben keine alte Messe, so etwas wie unser „Alter Kaiser Wilhelm“, der mit Pickelhaube über dem Gründerzeitsofa der Nostalgiker hängt und aus einer verschollenen Zeit auf Laptops und MP-3-Player herabschaut. Die „Alte Messe“ ist nötig zur Gesundung der Kirche. Allein, sie braucht eine Avantgarde, die sie auf den Leuchter zurückstellt. Sie ist die Messe von morgen, weil es ohne sie kein Morgen geben wird.

Dr. Guido Rodheudt, Pfarrer - Netzwerk Katholischer Priester


Johannes Paul II.

Päpstliches Motu proprio „Ecclesia Dei“, Nr. 6c vom 2. Juli 1988:
Ferner muß überall das Empfinden derer geachtet werden, die sich der Tradition der lateinischen Liturgie verbunden fühlen, indem die schon vor längerer Zeit vom Apostolischen Stuhl herausgegebenen Richtlinien zum Gebrauch des Römischen Meß­buches in der Edito typica vom Jahre 1962 weit und großzügig anzuwen­den sind.

Die außerordentliche und weitreichen­de Bedeutung von Ecclesia Dei und dem vorausgehenden Indult „ Quattuor abhinc annos" (Oktober 1984) wird wohl erst später erkannt werden. Papst Johannes Paul II. gebührt dafür Dank.

Dom Gerard

Dom Gerard, der Abt von Le Barroux, schreibt im Rundbrief 53 vom 6.8.1995:

„Was sind die Gründe für unser Festhalten an den liturgischen Formen?"

Sagen wir es noch einmal: Es ist weder Nostalgie noch systematische Opposition gegen jegliche liturgi­sche Entwicklung, daß wir uns auch weiterhin diesen ehrwürdigen Riten verbunden fühlen. Präzisieren wir noch einmal die Motive für unsere Treue zur traditionellen Form der Messe, die Kardinal Ratzinger zu­recht den klassischen römischen Ritus nennt.

1. Zuerst eine tiefe Dankbarkeit:

Dieser Ritus ist das wertvolle Erbe einer ganzen Tradition. Die Apostel selbst haben, um mit dem heiligen Ambrosius zu sprechen, an seiner Entstehung mitgewirkt; seine Vollen­dung erlangte er unter den heiligen Päpsten Damasus (4.Jh.) und Gregor (6.Jh.). Seine Gestalt verbindet uns mit dem lebendigen Glauben der ersten christlichen Jahrhunderte und „verlängert so die Vergangenheit in die Gegenwart, wie die Wurzeln sich in die Blumen verlängern" (Gustave Thibon).

2. Weiter ihr lehrmäßiger Reichtum:

In einer Zeit theologischer Unklar­heit bringen die Exaktheit des Lateins und die Präzision der Gesten auf vollkommene Weise den Opfer­charakter der Messe und die Realpräsenz zum Ausdruck. Darüber hinaus hebt dieser Ritus den hierar­chischen Aspekt des priesterlichen Dienstes im Laufe der Zelebration hervor.

3. Schließlich geistliche Gründe:

Die Kanonstille, die Gebetsostung, das heißt, die gemeinsame Ausrichtung von Priester und Volk zum Herrn hin, der Gebrauch einer Sakralsprache, die Reinheit des gregorianischen Chorals, die ehrfürchtige Haltung und die Genauigkeit des Zelebranten machen unsere Liturgie zu einer hohen Schule der Kontemplation und des geistlichen Lebens. Zu einer Zeit, da der Heilige Vater Europa einlädt, mit seinen beiden Lungenflügeln zu atmen, dem lateinischen Abendland und dem griechisch- slawischen Orient, möchte ich die Überlegungen Tatjana Goritschewas zitieren, einer jener Seelen, deren Glaube den kommunistischen Atheismus ins Wan­ken brachte. In ihrem Reisetagebuch berichtet sie von ihrer ersten Begegnung mit dem alten lateini­schen Ritus der Messe in unserem Kloster: „Guter Gott, das habe ich gar nicht gewußt, daß es im Westen eine solche Meßfeier gibt! Fülle, Feinheit, Ernsthaftigkeit, Geheimnis, Licht, Erneuerung - ja, das ist ebenso wie unsere orthodoxe Liturgiefeier auch, sie kam aus dem himmlischen Jerusalem zu uns. Wir hatten uns verspätet, waren gerade angekom­men und konnten so nur noch die letzten Minuten des Gottesdienstes im Kloster der heiligen Maria Magdalena in Barroux miterleben. Und diese wenigen Minuten genügten, mich mit völlig neuem Leben zu erfüllen: Wie lange schon bin ich auf der Suche nach einer ähnlich kräftigen Spei­se. " („ Unaufhörlich sucht der Mensch das Glück", Reisetagebuch. Herder-Verlag 1989, S 98).


Jetzt ist die Messe wie bei den Protestanten.

insbruckDas Christentum war mir als junger Mensch fremd. Als 15jähriger fand ich den Weg zur katholischen Kirche, nicht durch ein Gespräch, nicht durch ein Buch, nicht durch Unterricht, sondern letztlich durch die stille heilige Messe des alten Ritus. Sie führte mich zum Gebet, zur Anbetung, zur Kirche. Meine Eltern konvertierten zwar mit mir, mein Vater blieb aber doch zeitlebens ein mit dem Glauben Ringender. Allerdings war er offen für das Wesen wahrer Ehrfurcht. Einige Jahre nach dem Konzil, nach der Liturgiereform, fragte ich meinen Vater, ob er jetzt einen leichteren Zugang zur Messe hätte. „Nein" war die Antwort. „Früher war die Stille in der stillen Messe oder die Feierlichkeit in einer feierlichen Messe für mich ein Weg zu Gott; jetzt redet man die ganze Zeit, jetzt ist es wie bei den Protestanten."

Kein Zweifel: An die Stelle des Hl. Meßopfers, der Feier der sacra mysteria, an die Stelle der Messe der Anbetung, der Betrachtung ist weithin die Gemein­deversammlung getreten, in der pausen­los geredet und belehrt wird. Bei der Erstellung des neuen Meßritus waren tatsächlich 6 protestantische Theologen miteingebunden. (A. Bugnini, „Die Liturgiereform, Zeugnis und Testament", S. 221). Mein Vater hatte nicht so unrecht; das ganze Ausmaß der textlichen Änderun­gen des Ritus war ihm dabei natürlich nicht bekannnt.

Kardinal Stichler: Heutiger Meßritus entspricht nicht dem Willen der Konzilsväter.

Kardinal Stickler, Mitglied der liturgi­schen Kommission des II. Vaticanums, wies auf der theologischen Sommer­akademie 1997 in Aigen mit Präzision nach, daß der neue Meßritus, wie wir ihn heute feiern, und der allgemein als Ergebnis des Konzils betrachtet wird, vom Konzil so nicht gewollt war. Viel­mehr steht er in offensichtlichem Wider­spruch zu wesentlichen Punkten der Konzilskonstitution über die hl. Liturgie.

Die Brisanz der Feststellungen Sticklers wird außerordentlich verstärkt durch die Aussagen Kardinal Ratzingers (heutiger Papst Benedikt XVI) in sei­ner Autobiographie „Aus meinem Le­ben, Erinnerungen (1927 - 1977)": „Ich war bestürzt über das Verbot des alten Missale, denn etwas Derartiges hatte es in der ganzen Liturgiegeschichte nie gegeben... Ich bin überzeugt, daß die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Litur­gie beruht, die mitunter sogar so konzi­piert wird, "etsi Deus non daretur\ daß es in ihr gar nicht mehr darauf ankommt, ob es Gott gibt und ob er uns anredet und erhört... Dann feiert die Gemeinde nur noch sich selbst, aber das lohnt sich nicht"(S 172-174), Deutsche Verlagsan­stalt, Stuttgart 1998. Ratzinger hatte schon in seiner bekann­ten Rede an die Bischöfe Chiles am 13. Juli 1988 erklärt: „Was früher als das Heiligste galt - die überlieferte Form der Liturgie - erscheint plötzlich als das Ver­botenste und Einzige, was man mit Si­cherheit ablehnen muß. Man duldet kei­ne Kritik an den Maßnahmen der nachkonziliaren Zeit. Wo aber die alten Normen oder die großen Glaubens-warheiten - z.B. die leibliche Jungfräu­lichkeit Marias, die körperliche Aufer­stehung Jesu, die Unsterblichkeit der Seele usw. im Spiel sind, da reagiert man entweder überhaupt nicht oder nur in extrem abgeschwächter Form" (Infor­mationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, Wiegratzbad, Nr. 81, S 3). Die Aussagen Kardinal Sticklers in Aigen wurden aber auch erhärtet durch den Vortrag von Univ. Prof. Dr. Brian W. Harrison, Puertorico. Prof. Harrison wies in Aigen aus den schriftlichen Ein­gaben der Bischöfe zum 2. Vaticanum nach, daß der heutige Meßritus, ge­macht von einer nachkonziliaren Kom­mission, den Vorstellungen der großen Mehrheit der Konzilsväter nicht ent­sprach. Die Referate der Professoren DDr. Wolfgang Waldstein (Salzburg/ Rom) und DDr. Robert Spaemann (Stuttgart/München) zeigten ebenfalls klar: der Novus Ordo Missae ist keine organische Entwicklung aus dem „al­ten Ritus ". Es handelt sich vielmehr um einen Traditionsbruch mit schweren Folgen. (Siehe Literatur: Referate der theologischen Tagung in Aigen 1997).

„Was hat man uns doch alles genommen!"

Das erste Mal nach mehr als einem Vierteljahrhundert, Sonntag nach Fron­leichnam 1994, durfte ich in der Kirche St. Sebastian bei den Petrusbrüdern wieder eine Hl. Messe im alten Ritus erleben. Gott allein weiß, was das für mich bedeutete, und ich habe mehr als ein Jahr gebraucht, um mir langsam bewußt zu werden, was da in mir eigentlich vor sich gegangen war. Wie oft seither, wenn mir das große Geschenk zuteil wurde, an einer solchen Messe teilnehmen zu dürfen, traf mich diese Erschütterung neu! In der Osternacht 1996 trafen meine Frau und ich eine Ordensfrau nach einer Messe im alten Ritus. Sie sagte: „Was hat man uns doch alles genom­men!"


Wo liegt der Unterschied zwischen der neuen und der alten Liturgie? Ich bin nur Laie und kein „Fachmann", und sicherlich sind meine Gedanken ergänzungsbedürftig.

Die Kanonstille

Die Kanonstille der alten Messe ist etwas überaus Kostbares. Stille ist ein wesentliches Element im Verstehen zwischen Menschen, besonders lieben­den Menschen. Aus der Tiefe der Kanonstille vermag ein Ahnen aufzu­steigen, was es bedeutet, daß Jesu Opfer auf Golgotha gegenwärtig wird, daß der Raum/Zeitunterschied zu diesem Geschehen wunderbarerweise aufgehoben wird. So leicht wird dies beim laut gesprochenen Kanon nicht geschenkt. Aus eben dieser Stille erwächst leicht, wie von selbst, eine gute Vorbereitung auf die Kommunion. Überhaupt gewährt die alte Liturgie, besonders die sogenannte „stille Mes­se", die Möglichkeit zu lebendigem eigenen Beten, weil das Gebet nicht ständig sozusagen Wort für Wort „verordnet" wird.

Das Konzil verlangte für die Messe eine actuosa participatio. Eine lebhafte (actuosa) innere Anteilnahme muß durchaus nicht aus gemeinsam gespro­chenem Wort oder dem genauen Zuhören bei lauten Worten erwachsen. Actuosus bedeutet nicht dasselbe wie activus! Ständiges Sprechen oder ständiges genaues Hinhören kann tieferes Beten, die tiefere Aufmerk­samkeit auf das Geschehen bei der Heiligen Messe erschweren. Auch gibt es hier von Mensch zu Mensch, und auch je nach der seelischen Verfassung, große Unterschiede. So wichtig oft gemeinsames lautes Gebet, genaues Hören auf das gesprochene Wort ist, es ist noch nicht unbedingt participatio actuosa, innere, lebhafte Anteilnahme. Übrigens: Zuviel lautes Reden ver­schüttet und versperrt auch im Alltag das Verstehen zwischen Menschen.

Versus Deum, zu Gott hin

priester_elevationIn der Urkirche blickten Gläubige und Zelebrant gemeinsam nach Osten, der aufgehenden Sonne, als Symbol für Christus, entgegen. Im zentralen Teil der Heiligen Messe sahen sie einander nie ins Antlitz.

Der hl. Johannes Chrysostomus (354 - 407) sagt: Bei seiner Himmelfahrt fuhr er (Christus) nach Osten auf, und so beteten die Apostel an, und so wird er wieder kommen, wie sie ihn hingehen sahen in den Himmel, wie der Herr selbst gesagt hat: Wie der Blitz ausgeht im Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. Da wir ihn erwarten, beten wir nach Osten. Das ist eine ungeschriebene Überlieferung der Apostel (PG 94, 1136).

Der hl. Kirchenlehrer Augustinus (354 - 430) sagt: „Wenn wir zum Gebet aufstehen, keh­ren wir uns nach Osten, von wo der Himmel sich erhebt. Nicht als ob Gott dort wäre und er die anderen Welt­gegenden verlassen hätte..., sondern damit der Geist gemahnt werde, zu ei­ner höheren Ordnung sich zu bekehren, nämlich zu Gott. Augustinus, De sermone domini in monte II, 18 (PL 34, 1277).

Dieses Wort des hl. Augustinus zeigt, daß sich die Christen nach der Predigt zum anschließenden Gebet erhoben und nach Osten gekehrt haben. Auf dieses Hinwenden nach Osten beim Gebet weist Augustinus am Schluß seiner An­sprachen immer wieder hin, wobei er als feststehende Formel die Wendung „Conversi ad Dominum" (Hingewendet zum Herrn) gebraucht. Aus: Die Reform der röm. Liturgie von Klaus Gamber 1979, S 47;Vgl. J. Dölger Solsalutis, Gebet und Gesang im christ­lichen Altertum mit besonderer Rück­sicht auf die Ostung in Gebet und Li­turgie (=Liturgiegeschichtliche Quel­len und Forschungen 4-5, 1. Auflage Münster 1920, 254-256). J. Dölger verweist auch auf die Auf­forderung in einigen östlichen Liturgien, sich nach Osten zu wenden (ägyptische Markusliturgie,koptische Basi­liusliturgie). Dölger leitet daraus ab, daß auch die Antwort des Volkes „Habemus ad Dominum" im Anschluß an den Ruf des Priesters „Sursum corda" ein Hingewendetsein nach Osten meint.

Auch im zweiten Buch der Apostoli­schen Konstitutionen aus dem Ende 6 des 4. Jahrhunderts wird ebenfalls ein Aufstehen zum Gebet und eine Ausrichtung nach Osten vorgeschrieben (Const. Apost. II 57,14 [ed.Funk165; vgl. Dölger, Sol salutis 127 f; vgl. Die Reform der röm. Liturgie, Klaus Gamber, ed. Pustet 1979, S 47). Im 8. Buch wird der entsprechende Ruf des Diakons mitgeteilt „Steht aufrecht zur Herrn hin!" (Const. Apost. VIII12,2 [ed. Funk 494 ], vgl. K. Gamber, Die Reform der röm. Liturgie). Die Hinwendung zum Herrn und die Ausrichtung nach Osten war demnach für die Frühkirche dasselbe. Hochinteressant ist das Büchlein „Zum Herrn hin" von Klaus Gamber, 1987, Pustet, erhältl. im Christiana Verlag. Für Kardinal Ratzinger ist Gamber „der einzige Wissenschaftler, der inmitten einer Schar von Pseudoliturgikern die Wahrheit das liturgische Denken der Mitte der Kirche repräsentiert (UVK, 1/97, S10). Klaus Gamber schreibt Seite 56 f:

Man möchte heute ganz deutlich den Eindruck vermeiden, als handle es sich bei dem 'heiligen Tisch' (wie er im Osten heißt) um einen Opferaltar. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum auf diesem, wie auf einem zu einem festlich Essen gedeckten Tisch im Familienkreis, fast überall ein einziger Blumenstrauß sowie zwei oder drei Kerzen aufgestellt werden. Letztere bringt man meist auf der linken 'Tischseite' an, während die Vase mit den Blumen die andere Seite einnimmt.

Das Fehlen der Symmetrie ist beabsichtigt: es soll kein Beziehungspunkt geschaffen werden, der bisher durch das Kreuz mit den zur Rechten und Linken aufgestellten Leuchtern gegeben war; es soll eben ein Mahltisch sein.

Vor einem Opferaltar steht man. Man steht nicht dahinter. Dies galt schon im Heidentum für den Opferpriester. Sein Blick war auf das Bild der Gottheit im Heiligtum gerichtet, der das Opfer galt. Ähnlich war es Tempel zu Jerusalem. Auch hier stand der Priester, der das Schlachtopfer darzubringen hatte, vor dem 'Tisch des Herrn' (vgl. Mal 1,12), wie der große Brandopferaltar im Tempel hieß, dem inneren Tempel mit der Bundeslade im 'Allerheiligsten', dem Ort der Wohnung des Allerhöchsten (vgl. Ps 116,17) gegenüber. Ein Mahl wird unter dem Vorsitz des Hausvaters im (Familien-)Kreis ge­feiert, ein Opfer hingegen wird in allen Religionen von einem eigens dafür bestellten Liturgen vollzogen, und zwar in oder vor dem Heiligtum (das auch ein heiliger Baum sein kann). Der Liturge ist aus der Menge herausgehoben und hat seinen Platz vor ihm, vor dem Altar, im Angesicht der Gottheit.

Die Menschen haben sich von jeher beim Opfern demjenigen zugewandt, dem das Opfer galt, und nicht den Anwesenden.

Die Anschauung der frühen Kirche gibt Origenes wieder, wenn er in seiner Erklärung des Buches Numeri sagt (10,2): 'Wer vor dem Altar steht, zeigt dadurch an, daß er priesterli­che Amtshandlungen verrichtet. Das Amt des Priesters aber ist es, für die Sünden des Volkes Fürbitte einzule­gen. Es ist dies ein Gedanke, der heute, wo das Sündenbewußtsein mehr und mehr schwindet, weithin verlorengegangen zu sein scheint. Luther hat bekanntlich den Opfer­charakter der Messe geleugnet; er sah in ihr nur die Verkündigung des Wortes Gottes mit einer nachfolgenden Abend­mahlsfeier', weshalb er auch die eingangs zitierte Forderung nach einer Hinwendung des Liturgen zur Gemein­de aufgestellt hat.

Verschiedene moderne katholische Theologen leugnen zwar den Opfer­charakter der Heiligen Messe nicht direkt, sie möchten ihn jedoch in den Hintergrund rücken und dafiir umso mehr den Mahlcharakter der Feier hervorheben. Man tut dies vielfach aus ökumenischen Rücksichten ge­genüber den Protestanten, wobei man entsprechende Rücksichten ge­genüber den orthodoxen Ostkirchen, für die der Opfercharakter der 'Göttlichen Liturgie' unumstößlich ist, außer acht läßt.

Erst die Beseitigung der Mahltische und die Rückkehr zur Zelebration am 'Hochaltar' werden wieder eine Wende im Meß- und Eucharistie­verständnis bringen, nämlich die Messe als Akt der Anbetung und Verehrung Gottes, eines Dankes für seine Wohltaten, die Erlösung und Berufung in sein himmlisches Reich und als mystische Darstellung des Kreuzesopfers des Herrn." Soweit Klaus Gamber.

Klaus Gamber weist auch nach, dass die Darstellung im Abendmahl Leonardo da Vincis falsch ist. Gemäß antiker Tischsitte war der Ehrenplatz nie in der Mitte, sondern an der rechten Seite des Tisches. Auf der einen Seite des (halb)runden Tisches wurden die Spei­sen aufgetragen, die Teilnehmer saßen auf der anderen Seite. Jedenfalls gab es kein vis-a-vis von Gastgeber und Gästen. In der frühen Kirche saß man beim gemeinsamen Mahl, der Agape, an Tischen. Bei der Feier der Eucharistie stand man dann von den Plätzen auf und begab sich hinter den am Altar stehen­den Zelebranten, wie die Didascalia Apostolorum, eine Kirchenordnung aus dem 2./3. Jahrhundert, im einzelnen vor­schreibt. Sie verlangt dabei die strikte

Ausrichtung nach Osten. In der näch­sten Entwicklungsstufe fallen nach dem Aufhören der Liebesmahle (etwa ab dem 4. Jahrh.) die Tische weg. Das Herrenwort „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20) wird häufig als Argument für einen „Round-table-Gottesdienst" bzw. für ein liturgisches vis-a-vis verwendet. Hier handelt es sich aber nicht um eine räum­lich - geometrische Aussage!

Pius XII: „Tisch ist ein Irrtum"

In der Enzyklika Mediator Dei vom 20.11.1947 schreibt Pius XII.:

„So würde, um Beispiele zu gebrauchen, derjenige vom rechten Weg abirren, der dem Altar die vormalige Form eines 'Tisches' (lat. mensa) wiederge­ben wollte;...." (Nr.53).

Offensichtlich hat die unleugbare derzeitige Krise der Kirche mit dem „versus populum", dem „zum Volke hin" zu tun. Wie soll ein Priester aus der Kraft des Kreuzesopfers leben, wenn er sich im zentralen Teil der Heiligen Messe nicht ganz Gott allein zuwendet. Allzuleicht wird das Handeln vor vielen Menschen zur „Show".

Verordnung Bischof Gföllners

Im Linzer Diözesanblatt Nr. 7 aus dem Jahr 1937 verordnet Bischof Johannes Maria Gföllner:

"Die liturgische Bewegung weist immer wieder bedauerliche Ab­irrungen auf. Der Altar wird umgedreht zwecks Zelebration facie versa ad populum ("zum Volk hin", Anmerkung) - das Tabernakel wird aus der Mitte des Altares entfernt und in eine Wandnische verwiesen -Kommunikanten empfangen die hei­lige Kommunion stehend - die Betsingmesse wird zu einer schablo­nenhaften und eintönigen Alltags­messe...

Solche Bestrebungen müssen offen und unnachsichtlich mißbilligt wer­den. Es ergehen demnach ausnahmslos für den Welt- und Ordensklerus nachfolgende strikte Weisungen:

  1. Die Umstellung des Altares und die Zelebration facie versa ad populum wird ausnahmslos und strenge unter­sagt...
  2. Die Entfernung des Tabernakels aus der Mitte des Altares und die Aufbewahrung des Allerheiligsten in einer Wandnische ist ausdrücklich verboten durch den Kodex und durch das Rituale Romanum...
  3. Die heilige Kommunion stehend zu empfangen ist ausdrücklich unter­sagt durch das Rituale Romanum... "

Die Heilige Messe - dem Wesen nach ein Opfer, kein Mahl

piusDie heilige Kirche lehrt durch ihre gesamte Vergangenheit: Die Heilige Messe ist ihrem Wesen nach und in ihrer Ganzheit betrachtet ein Opfer, kein Mahl. Sie ist die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfer Christi, d.h. in der Heiligen Messe ereignet sich wahrhaft und wirklich da Kreuzesopfer Christi von Kalvaria m dem Opfertod Jesu Christi; aber es geschieht in der Heiligen Messe unblutig und geheimnisvoll. Beim „letzten Abendmahl" handelt es sich im ersten Teil um das rituelle Passahmahl, im zweite Teil um eine Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers, aber im vorhinein. Der letzte Teil der Heiligen Messe, beginnend mit dem Vaterunser, ist das Opfermahl - Teil der Heiligen Messe, die in ihrem Wesen in ihrer Gesamtheit ein Opfer ist. Das Sakrament der hl. Kommunion ist die Frucht des Messopfers, so wie der Apfel auf dem Apfelbaum wächst. Nochmals Pius XII. in Mediator Dei (20.11.1944): „... und noch mehr im Irrtum sind diejenigen, die... spitzfindig behaupten, es handle sich hier nicht bloß um ein Opfer, sondern um ein Opfer und zugleich ein Mahl der brüderlichen Gemeinschaft." (Nr. 105). Tatsache ist nun, dass in den neuen Messtexten jene Stellen weithin verschwunden sind, wo vom Opfer die Rede war.

Zum Herrn hin!

Wie befreiend, welch tiefe Freude ist es, wenn sich Menschen gemeinsam ganz Gott zuwenden, welch tiefe Gemeinschaft bewirkt gerade eine solche Liturgie. Ja, der Herr kommt in ihre Mitte, nämlich in die Herzen; unter den Gestalten von Brot und Wein wird wahrhaft der Herr gegenwärtig. So bewirkt ER eine wahre Gemeinschaft. Sich während des zentralen Teiles der Heiligen Messe gegenüberzustehen, ins Antlitz zu blicken, lenkt ab, schwächt das Gebet. Ich kann freier beten, komme eher zu einer inneren Anteilnahme am Geschehen der Heiligen Messe, wenn der Zelebrant nicht zugewendet ist. Ähnliches ist wohl auch vom Priester anzunehmen. Er muß ja die Kraft für seinen schweren Beruf aus der Feier der sacra mysteria schöpfen. Wie kann er das, wenn er das Heiligste dieses Mysteriums sozusagen in der Auslage tun muß. Denken wir an die Ikonostasis, die Bilderwand der Orthodoxen, die den Altarraum vom Bereich der Gläubigen trennt.

Wie sehr leiden viele Gläubige unter der geradezu schauspielerischen Mimik, Gestik und Rhetorik mancher Priester, pardon - der Moderatoren. Wie sehr ist das alles der Liturgie der Ost- und der Westkirche aller Zeiten entgegenge­setzt! Wie sehr vermag dieses starke Hervortreten des Subjektiven der Per­son des Priesters manche Gläubige zwar vorübergehend zu binden, und ist doch ein entscheidender Grund, daß die Kirchen immer leerer werden. Dies ist ein ganz entscheidendes Kennzeichen der Liturgie der Kirche immer gewesen: Die Person des Priesters tritt zurück, Christus tritt an seine Stelle. Hier ist kein Spielraum für impulsive Gestik, persönliche Eigenhei­ten und Blickkontakte. Freilich können „charismatisch" geprägten Gläubigen dadurch Schwierigkeiten mit der alten Liturgie erwachsen. Doch gerade in der Objektivität der liturgischen Handlung bestand die tiefe Verwandtschaft zwischen Ost- und Westkirche. Offensichtlich hat die unleugbare derzeitige Krise der Kirche mit dem „versus populum", dem „zum Volke hin" zu tun. Wie soll ein Priester aus der

Kraft des Kreuzesopfers leben, wenn er sich im zentralen Teil der Heiligen Messe nicht ganz Gott allein zuwen­det? Allzuleicht wird das Handeln vor vielen Menschen zur „Show". Ich weiß schon, daß Priester alter Prägung, auch wenn jung an Jahren, dieses Kunststück fertigbringen, die neue Liturgie im Geiste der alten zu feiern - innerlich ganz zu Gott gewendet zu zelebrieren, auch wenn sie äußerlich zum Volk gewendet sind. Leicht ist das nicht. Solches gilt eben auch für die Gläubigen. Wie wollen wir die Kraft füreinander finden, wie die Gemein­schaft miteinander, wenn wir uns nicht zunächst - in der Messe gemeinsam -ganz allein Gott zuwenden? Ist das nicht letztlich auch in der Ehe so? Eine religiöse Variante des „seid umschlungen Millionen" bedeutet den Tod jeder tieferen Gemeinschaft, ist der Kern der Tragödie, die sich in der Kirche heute abspielt und hat außer vielen einfachen Gläubigen ebenso vielen Hirten „das Kreuz gebrochen" und ihnen die Kraft zum Widerstand gegen den Zeitgeist genommen.

Latein - unzumutbar?

Das Latein wird zwar gemeinhin als das hervorstechendste Merkmal der alten Liturgie betrachtet, ist dies aber eigentlich nicht.

Die Kanonstille, die Zelebration zum Herrn hin, das persönliche Zurücktre­ten des Priesters, viele einzelne Zeichen der Ehrfurcht, -im Meßtext selbst- die wiederholte deutliche Be­zeichnung der Messe als Opfer, das alles macht in Wahrheit mehr das Wesen des alten Ritus aus als das Latein, auch wenn der alte Meßritus oft einfach als die „lateinische Messe" bezeichnet wird.

Erzbischof Lefebvre äußerte einmal, vor die Wahl gestellt, würde er eher den alten Ritus in der Volkssprache wählen als den Novus Ordo in Latein. Ganz so unwesentlich ist aber auch das Latein nicht. Sicherlich ist es eine tote Sprache und nur wenige verstehen es. Oder sind es doch nicht ganz so wenige? Das Konzil, auf das man sich so gerne beruft, hat die Volkssprache zwar zusätzlich erlaubt, gleichzeitig aber gefordert, daß das Latein in der Heiligen Messe beibehalten werde (SC 36 ,1).

Muttersprache der Kirche

Latein ist die Muttersprache der römischen Kirche, und seine Mutter­sprache gibt man nicht leichtfertig preis, sonst droht der Verlust der eigenen Identität. Latein überbrückt die Kluft zwischen Nationen und Generationen. Ich habe es erlebt, als österreichische Landwirte in Casablanca (Marokko) am Sonntag eine für sie allein gelesene Messe besuchten. Der Priester las sie französisch. Die Bauern baten ums Latein, da verstünden sie noch mehr, und das sei ihnen noch vertraut; es war nichts mehr zu machen, es war vorbei (1983).

Ein folgenschweres Versäumnis

Immer mehr Menschen fahren jährlich ins Ausland in den Urlaub oder haben dienstlich im Ausland zu tun. Vorbei sind die Zeiten, wo man bei der Messe an jedem Ort der Welt zu Hause war. E leben immer mehr Nationalitäten eng zusammen, und die Probleme zwische den Nationalitäten werden nicht weniger: Die katholischen Minderheit etwa in Skandinavien bestehen aus einer Unmenge von Nationalitäten bis hin zu den Vietnamesen. Probleme zwischen den Volksgruppen gibt es in vielen Teilen der Welt: das Baskenproblem in Spanien, Probleme in Südtirol, Probleme zwischen Ungarn und ihren Nachbarn, zwischen Litauen und Polen, bei den Nationen in Rußlands Weiten; denken wir an die Ereignisse am Balkan, an die Nationalitätenprobleme Afrikas und... Vielleicht hat die Kirche gerade in einer Zeit der immer verwirrenderen und brutaleren Nationalitätenstreitigkeite einen entscheidenden Beitrag versäumt, weil sie das verbindende Latein preisgegeben hat.

Vielleicht wäre mancher Hass gemildert worden und mancher Ermordete noch lebendig, hätten die Christen der verschiedenen Nationalitäten nicht aufgehört, eine gemeinsame Heilige Messe zu feiern.

Noch vor etwa 20 Jahren hat ein anerkannter afrikanischer Staatsmann, Leopold Senghor, Präsident von Senegal, führender Dichter der Negritude, hochgebildet, Rom aufgefordert, Latein nicht preiszugeben. „Africa docet" schrieb damals der Osservatore del Domenica. Vorbei!

Wie sehr kann das Latein nicht nur Nationen, sondern auch die Generationen verbinden: uns mit den Christen , die vor uns gelebt haben, bis hin zu den Aposteln. Wie sollen wir die Würze unserer Kultur, unserer Sprache und unseres Denkens verstehen, wenn wir das Latein preisgeben? Was ist mit unserer Geschichte, unserer Kuns unserer Musik?

Latein und Präzision

Welch ein Durcheinander, welche Ungenauigkeit, verschwände Latein aus der Medizin, der Rechtswissenschaft, der Biologie, der Naturwissenschaft. Lateinische Fachausdrücke ermöglichen mir als Forstmann ein Gespräch mit italienischen, marok­kanischen oder chinesischen Kollegen. Nur die Theologen waren so dumm, das Latein preiszugeben. Das Ergebnis ist nicht zufällig eine gewaltige Verwir­rung schon bei den Begriffen. Die „Dialektiker", nicht nur marxistischer Herkunft, haben ganze Arbeit geleistet.

Liturgiesprache und Volkssprache

opferJesus hat in seiner Todesnot die Psalmen in der hebräischen Liturgie­sprache, nicht in der aramäischen Volkssprache gesprochen. „Eli, eli lemä sabachthäni"; das bedeutet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen (Mt. 27,46)... Die Umstehen­den haben es nicht verstanden. Sie sagten: „Er ruft den Elias"... Im Rom der ersten Jahrhunderte war Griechisch, die Sprache der Gebilde­ten, auch Liturgiesprache. Später, als Latein Liturgiesprache geworden war, war es nicht mehr Volkssprache. So war eigentlich die Umgangssprache kaum je Liturgiesprache. Unsere alte Liturgie hatte eine gewalti­ge Bandbreite: Von der stillen Heiligen Messe über die lateinisch-deutsche Gemeinschaftsmesse bis zu den feierli­chen Hochämtern, die die ungeheure musikalische Tradition in jeder Dorf­kirche lebendig werden ließen. Dem Volk war die lateinische Messe wohl vertraut. Viele haben die Texte im lateinisch- deutschen Schott gut mit­verfolgt. Latein war kein Hindernis beim eigenen Beten und half eher, das Mysterium zu erahnen.

Wie sagte Pius XII. in „Mediator Dei? " „Der Gebrauch der lateinischen Sprache, wie er zu einem großen Teil in der Kirche herrscht, ist ein deutlich erkennbares Zeichen der Einheit und ein wirksames Heils- und Hilfsmittel gegen jede Verderbnis der wahren Lehre." (Nr. 52).

Noch Johannes XXIII. forderte in Veterum Sapientiae zum Erhalt des Latein auf. Nochmals sei gesagt: Das II. Vatikanische Konzil wollte zwar der Volkssprache mehr Raum geben und man dachte dabei vor allem an die Schriftlesungen; die Sakralsprache soll­te aber bewahrt bleiben (SC 36 ,1).

Das größte menschliche Gesamtkunstwerk und das Betonzeitalter

Denkt man an alle Kunstwerke, die im Hinblick auf die alte Liturgie geschaf­fen wurden, kann man nicht zu Unrecht vom größten menschlichen Gesamt­kunstwerk sprechen. Eine große Zahl namhafter Schriftsteller, darunter auch Nichtkatholiken, warnte vor 30 Jahren vor dem Verlust unersetzlicher kulturel­ler und spiritueller Werte; in einer Peti­tion an den Papst baten diese Schrift­ steller, den Bruch mit der liturgischen Tradition zu überdenken und die Litur­gie nicht zu zerstören. Vergebens! Sei es die sakrale Klarheit der Roma­nik, die himmelstrebende Geistigkeit der Gotik, oder der sieghafte Jubel und der Geist der Anbetung im Barock - tau­send und aber tausend Kirchen hatten im Grunde nur einen Sinn: Sie wurden gebaut als Rahmen für den Gottesdienst der alten, der immerwährenden Litur­gie. Sie wurden gebaut ad majorem Dei gloriam, zur größeren Ehre Gottes. Ge­richtet nach oben, gerichtet nach Osten sollten diese Kirchen die Menschen zu Gott führen. Die unermeßliche Fülle an Steinmetzarbeiten, an Schnitzwerken, Bildern und nicht zuletzt an wunderba­rer Kirchenmusik wurde geschaffen für diese Liturgie, die ihrem Wesen nach auf Gott gerichtet war. Für mich ist der „Volksaltar" in einer solchen Kirche zu­nehmend schwer zu ertragen; er ist of­fenbar ein Fremdkörper. Schwer erträg­lich ist es für mich auch, eine alte Meßkomposition in bloß konzertantem Rahmen zu hören. Wie vermag die alte Liturgie hingegen den Menschen zu er­schüttern in einem Rahmen, der eigens für sie geschaffen wurde: in einer alten, noch nicht innerlich zerstörten Kirche, belebt durch Musik, die mit Ehrfurcht und wahrem Können geschaffen wur­de, um Gott zu dienen. Wieviel Freude! Wieviel Licht ! Wie selten wird uns das heute geschenkt !

Spüren Sie es nicht auch, wie jede alte Kirche nach der „alten Messe" ruft, und daß es eigentlich unpassend ist, die edle alte Kirchenmusik ohne die alte Litur­gie zu „gebrauchen"? Völlig ungehörig aber ist es, diese Musik nur ästhetisch, konzertant zu „konsumieren". Res clamat ad dominum. Die Sache ruft nach ihrem Herrn. Unsere Heimat hat ihre Seele verloren, und so haben wir unsere Heimat verloren. Der Bruch mit der lebendigen liturgi­schen Tradition steht nicht zufällig in zeitlicher Nähe zum Durchbruch und zum ersten Höhepunkt des Beton­zeitalters. Der Mensch glaubte zunächst alles, oder schon fast alles zu wissen. Wir kennen die nächsten Etappen: Ich kann alles, ich darf alles. Das Selbstbe­wußtsein des autonomen Menschen hat jedoch seinen Preis: Dieser Mensch hat Gott verloren und mit Gott auch seine eigene Identität. Dieser Mensch hat sei­ne Wurzeln preisgegeben und mit sei­ner Tradition gebrochen. In den 60 er Jahren tritt in der Baukunst gestaltloser, harter Beton an die Stelle „lebendiger Steine" (1 Petr. 2, 4 - 9). Die neuen Bauten sind strukturlos, ge­sichtslos, geschichtslos und heimatlos. Kunst, die Gott aus dem Auge verloren hat und bloß auf den Menschen bezo­gen ist, verliert rasch ihren Sinn und verkommt zur Perversion. Sünde und Verkommenheit gab es wohl in jeder Epoche. Diesen gnadenlosen Haß ge­gen das Schöne, das Natürliche und das Harmonische, gegen jeden Sinn, gegen das Heile und das Heilige, den hat es nach Art und Ausmaß bisher so nicht gegeben. Kann es sich denn nur Ephraim Kishon leisten, „moderne Kunst" richtig zu bewerten? Daß sinn­loser Schmutz als Kunst bezeichnet und sogar noch staatlich gefördert wird, ist in der Geschichte der Menschheit wirk­lich ohne Beispiel. Das ganze wird noch dazu unter den Glassturz einer Medien­diktatur gestellt.

Der Verlust der alten Liturgie, Quelle des größten menschlichen Gesamt­kunstwerkes, steht offenbar in tiefer Be­ziehung zum Verlust der Kunst- und Kulturfähigkeit des autonomen Men­schen.

Unerleuchteten Streit vermeiden!

So groß die Sehnsucht nach der alten Liturgie bei vielen auch werden kann, die sich des Verlustes bewußt gewor­den sind, diesem Anliegen fügen Polemik und Streit in der Regel Schaden zu. Solches ist nach Kräften zu meiden. Zeit und Geduld sind nötig, wenn Menschen einen Zugang zu den verschütteten Schätzen der Überliefe­rung finden sollen. Liebevolle Geduld auf beiden Seiten tut not. Polemik schadet.

Ganz ohne Widerspruch wird die Wiederbelebung der alten Liturgie freilich nicht abgehen; es ist immer leichter, etwas preiszugeben, als den umgekehrten Weg zu gehen. Eines muß allerdings gerade denen klar sein, denen die alte Liturgie am Herzen liegt: So schwerwiegend die Unter­schiede sind - es handelt sich tatsäch­lich um einen anderen Ritus, die Unterschiede zwischen alter und neuer Liturgie der Westkirche sind innerlich gravierender als zwischen den östli­chen Riten und dem alten Ritus (Tatjana Goritschewa!) - auch die in der rechten Intention gefeierte Messe des Novus Ordo ist Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Christi, sie ist ein wahres und eigentliches Opfer und es gebührt Gott und auch dem Priester tiefer Dank dafür.

Die Sorgfalt im Umgang mit den konsekrierten Gestalten

m_kommunionAllerdings ist noch ein entscheidendes Problem zu bedenken, wichtiger als Liturgiesprache, Zelebrationsrichtung etc.. „In jedem Teil der beiden Gestalten ist nach geschehener Trennung der ganze Christus gegen­wärtig. " (Dogma, Konzil von Trient, D 885).

In der alten Liturgie wurde durch eine Reihe von Vorschriften die allergrößte Sorgfalt darauf verwendet, jeden Ver­lust von Teilen der Hostie (Partikel) zu vermeiden. Bei der Meßfeier im neuen Ritus ist diese Sorgfalt so nicht mehr vorgeschrieben.

Ein besonders erschreckendes Problem ist die Praxis der heutigen Kommunionspendung, besonders der fast zwangsläufig drohende Partikel­verlust. Paul VI. nennt in „Memoriale Domini" (Mai 1969) die drohenden Folgen der Handkommunion: Partikel­verlust, Ehrfurchtsverlust, Glaubens­verlust. All dies ist in furchtbarem Ausmaß eingetreten. Insbesondere ist Partikelverlust bei Handkommunion, fehlender Patene für Laienkommunion und bei Kommunionspendung durch Laien, sowie ohne die früher beim Priester selbstverständliche Sorgfalt (Reinigung der Hände) praktisch nicht zu vermeiden. Gerade hier können für Priester schwere Gewissenskonflikte entstehen.Wir sind Priestern, die diese Praxis mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, als wahren Beken­nern tiefste Ehrfurcht schuldig, wenn sie um dieser Dinge wegen persönliche Folgen auf sich nehmen müssen.

Auch jeder Laie sollte in diesen Fragen sein Gewissen schärfen und sich nicht von der gängigen Praxis beruhigen lassen. Die Kommunionpatene für Gläubige ist noch immer vorgeschrie­ben (Allgemeine Einführung in das Meßbuch vom 3.4.1969, Nr. 80), auch wenn sie in der Praxis kaum mehr verwendet wird. Wird die Patene verwendet, findet man erfahrungsge­mäss auf ihr öfter Hostienteilchen; wird keine Patene verwendet, fallen diese Teilchen leicht zu Boden. Vor allem führt das Anfassen der Hostie bei der Handkommunion fast zwangsläufig zu häufigem Partikelverlust.

Dr. Wolfgang Graf, Siebnach, hat jüngst überlegt, wie weit der Zelebrant sich schon heute im legitimen Rahmen des neuen Ritus dem alten nähern kann („Inseln schaffen -womit man heute beginnen kann", UVK, 26. Jg., Heft 6, S 416). Bei all diesen Überlegungen ist eine Frage von besonderer Bedeutung: Kommt im konkreten Fall, bei einer Feier der Hl. Messe im neuen Ritus, die alte Sorgfalt bezüglich der konsekrierten Gestalten zur Anwendung? Dies ist eine schwere Gewissensfrage für den Priester, aber auch für die Laien. Die heute weithin geübte Sorglosigkeit erfüllt an sich ofl den Tatbestand eines Sakrilegs.

Die alte Liturgie - das schlechte Gewissen der neuen

Nicht wenige Bischöfe, vor allem in Deutschland, behindern das päpstliche Indult und das Motuproprio „Ecclesia Dei", weil sie in der alten Liturgie eine Gefahr der Spaltung sehen. Nun ist Spaltung in der Kirche heute offensichtliclh schon überall vorhanden, und eine wesentliche Ursache dieser Krise der Kirche ist eben der Traditionsbruch in der Liturgie. Der neue Ritus wird ohnedies weithin mit Beliebigkeit gestaltet, sodass von einer einheitlichen Liturgie kein Rede mehr sein kann. Die Tendenz zur Beliebigkeit ist dem neuen Ritus inhärent, gehört zu seinem Wesen, zum Wesen des „versus populum"! Will man die Fiktion der Einheitlichkeit als Forderung nur dem gegenüber erheben, was immer war, was immer heilig war? Die Einheit der Kirche heute und in Zukunft ist nicht möglich ohne die Einheit mit der Kirche der vergangenen Jahrhunder­te bis hin zu den Aposteln. Die Einheit des kleinsten gemeinsamen Nenners heutiger Christen ist ein bitterer Irrweg. Das gilt für den Glauben und ebenso für die mit dem Glauben so tief verbunde­ne Liturgie. Die alte Liturgie ist das schlechte Gewissen der neuen. Bischöfe, die dem alten Ritus keinen Raum geben, berauben die Kirche einer entscheidenden Kraft zur Unterschei­dung der Geister und zur Heilung. Es geht auch anders: In der Diözese Linz hat der Bischof dem Verantwortli­chen der Priesterbruderschaft St. Petrus per (lateinischem !) Dekret Beichtvollmacht und Zelebrationserlaubnis für die ganze Diözese erteilt, und es ergibt sich durchaus eine positi­ve Zusammenarbeit. „Überzeugen sie die Bischöfe" sagte der Hl. Vater kürz­lich, als ihm 70 000 Unterschriften für eine großzügigere Gewährung der alten Liturgie überreicht wurden. Tun wir das!

Die wahre Reform

Gamber sagt in seinem Buch „Die Re­form der römischen Liturgie" - 1979 (!) Pustet, Seite 53 f.: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sollten der bisherige Ritus romanus und der Ritus modernus beide als legitim gelten" und weiters: „Die der­zeit gültige Form der Meßfeier hätte dann nicht mehr als römischer Ritus im stren­gen Sinne zu gelten, sondern als ein ei­gener 'ad experimentum'". „Ob dieser neue sich einmal allgemein und für ei­nen längeren Zeitraum durchsetzen wird, kann erst die Zukunft zeigen. Es ist zu vermuten, daß die neuen Liturgiebücher nicht sehr lange im Gebrauch bleiben werden, weil die progressiven Elemente in der Kirche in der Zwischenzeit be­stimmt wieder neue Vorstellungen hin­sichtlich der 'Gestaltung'der Meßfeier entwickeln werden, bzw. schon entwik-kelt haben." Soweit Klaus Gamber 1979! Prophetische Worte angesichts des „Meß­buches 2000"!

Aus Rom mehren sich die Zeichen, daß man sich der Krise in der Kirche mit Mitteln des Kirchenrechtes und der Dis­ziplin entgegenstellen will, z.B. durch die Instruktion über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester vom 13.11.1997 und durch das Motu proprio „Ad tuendam fidem" vom 30.6.1998. Dies war längst fällig. Allerdings würde ohne wahre Reform der heutigen Liturgie jede Anstrengung zur Verbesserung der kirch­lichen Disziplin Stückwerk bleiben. Ein neuer Glaubensgehorsam, eine neue Dis­ziplin allein führen mit Sicherheit aus dieser Krise nicht heraus. Was würde aber heute „Reform der Li­turgie" bedeuten? Wäre das eine neuer­liche kommissionsweise erarbeitete und dann strikte verordnete liturgische Mischform zwischen alt und neu? Wäre das ein „Novissimus Ordo Missae", ver­bunden mit einer endgültigen Unterdrückung des alten Ritus? Künstliche Misch­formen sind selten eine echte Entfaltung des Ursprünglichen. Allzuleicht wird et­was vom Wesen, von der Seele, preisge­geben, und die ursprüngliche Gestalt mutiert zu einem Gespenst und wird dem Menschen dann doppelt fremd. Die Ein­heit der Liturgie mag ein hohes Gut sein, aber auch die Vielfalt kann es sein. Ein­heitlichkeit um jeden Preis ist sicher falsch.

Was sagte der Jesuitengeneral Pater Lainez am 16. Juni 1563 in der Endpha­se des Konzils von Trient? „Reformati­on ist Rückkehr zum Alten" (Pastor, Ge­schichte der Päpste, VII. Band, S. 254). Über die Gemeinsamkeiten der Kirchen­krise des 16. Jahrhunderts und jener un­serer Zeit ist bisher noch viel zu wenig nachgedacht worden. Eine entscheiden­de Besserung im liturgischen Bereich ist in naher Zukunft kaum zu erwarten. Be­lassen wir es bei der zu Beginn dieses Abschnittes zitierten Aussage Gambers. Die alte Liturgie muß als Maßstab erhal­ten werden und wieder Kraft gewinnen, und nur so kann eines Tages eine wahre Liturgiereform für den neuen Ritus er­wachsen.

Die Zeit drängt

Wir haben nicht mehr viel Zeit, wir müssen rasch handeln, denn Priester und Gläubige brauchen dringend den Kontakt mit der lebendigen Tradition der alten Liturgie. Wie schon früher gesagt: Der alte Ritus ist das schlechte Gewissen des neuen. Die Praxis der katholischen Liturgie befindet sich derzeit auf grauenhafter Talfahrt. Viele treue Katholiken sind verzweifelt und verstehen nicht, daß Rom den Mißstän­den nicht energisch genug wehrt. Schwerste liturgische Mißbräuche, auch gemessen an der neuen liturgischen Ordnung, bis hin zu offensichtlich sakrilegischen Messen, von denen man nur hoffen kann, daß die Wandlung ungültig ist, breiten sich immer mehr aus und sind kein Einzelfall mehr. Man bricht nicht ungestraft mit der lebendi­gen Tradition...

Aus Christus leben, heißt, aus der Kraft der Heiligen Messe leben

Vergessen wir nicht: Alle Heiligen ohne Ausnahme haben aus der Kraft der Heiligen Messe gelebt. Sie haben in der Feier der alten Liturgie der Westkirche oder der Liturgien der Ostkirche Gott gefunden. Bei aller Verschiedenheit der Spiri­tualität und der Liturgie waren Ost-und Westkirche doch verbunden wie zwei Lungenflügel (Johannes Paul IL). Was verband die alte Liturgie der röm. Kirche mit den Liturgien der Ostkirche? Zunächst der gemein­same Glaube. Nicht zuletzt eine tie­fe Ehrfurcht, und diese ist bekannt­lich die Schwester wahrer Liebe.

Lex orandi lex credendi - Das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens

Papst Cölestin I. (422 - 432) hat in einem Brief an die Bischöfe Galliens (Ep. 21) den Satz geprägt: Lex orandi lex credendi. Zwischen Beten und Glauben gibt es einen wechselseitigen Bezug. Wer die Liturgie als bloße Formsache und daher als Nebensache betrachtet, irrt. („Wenn das Haus brennt, hängt man keine Bilder um"). Manche Neuerungen in den Meßtexten sind problematisch, ja bedenklich; vor allem ist die klare Bezeichnung der Heiligen Messe als Opfer weitgehend verschwunden.

Nun ist aber nicht nur die theologische Klarheit der Gebete, sondern auch die Welt der vielen Zeichen von entscheidender Bedeutung. Für die einfachen Gläubigen, aber auch für die Priester sind die geübten oder unterlassenen oder gar mißachteten liturgischen Zei­chen oft wirksamer für den Glauben als Dogmatikbücher.

Die Zeichen der Ehrfurcht schützen den Glauben und stärken ihn. Wohl ist der Glaube an Gott das Eigentliche, das Zentrale. Wer Christus (schuldhaft) verfehlt, findet Gott nicht. Aus Christus leben heißt, aus der Kraft der Heiligen Messe leben, denn sie ist eben die Gegenwärtigsetzung seines Kreuzes­opfers. Dies bewirkt die wahre Ge­meinschaft der Kirche. Die Heilige Messe ist das Herz der Kirche. Es wäre strategisch falsch, eine Festung erst im Zentrum zu verteidi­gen, denn die Entscheidung fällt weithin im Vorfeld der Festung. Die Marxisten haben immer genau um den Wert der praktizierten Zeichen gewußt, etwa der Sprachgewohnheit. Die heilige Messe im alten Ritus kennenlernen, heißt einen Berg bestei­gen. Ihre tiefe Schönheit und Gott-bezogenheit erschließt sich vielen namentlich in der heutigen Zeit nicht bei der ersten Begegnung. Wo jemand mit lauterem, kindlichem Herzen und mit Gottes Hilfe diesen Berg zu besteigen beginnt, gelangt er allerdings zunehmend zu unerwarteter Aussicht und tieferer Einsicht; zunehmend wird ihm tiefe Freude geschenkt.

Was tun?

barrouxDie „alte Messe", der klassische, römische Ritus verbindet die Nationen und die Generationen. Die alte Liturgie bleibt der notwendige Maßstab, schützt die neue Liturgie vor weiterer Auffä­cherung, weiterem Abgleiten und ist ein unverzichtbares Mittel der Unter­scheidung und der Heilung in der gegenwärtigen Krise. Diese Liturgie der Römischen Kirche ist die wahre Schwester aller ostkirchlichen, ebenso in die apostolische Zeit zurück­reichenden Riten. Die Entfaltung dieser Riten geschah unter dem Schutz des Hl. Geistes durch die Jahrhunderte mit unendlicher Behutsamkeit und erfuhr bis heute nie einen Bruch. Läßt dies nicht an das alte Chrisfusbild denken, von dem es hieß, es sei nicht von Menschenhand gemacht? Oder auch an eine Knospe, die sich nach höherem Gesetz ganz allmählich zum Blatt oder zur Blüte entfaltet? Nie wagte in früheren Zeiten eine kirchliche Autori­tät - im Westen oder im Osten - einen willkürlichen Eingriff in einen seit der apostolischen Zeit gewachsenen Ritus. Die heilige Liturgie - ein Exerzierfeld für Kommissionen? Undenkbar! In diesem dynamischen Sinn einer behutsamen Entfaltung unter dem Wirken des Heiligen Geistes, einer gewachsenen Kontinuität, sollten wir vielleicht eher von der sacra liturgia sempiterna, von der heiligen immer­währenden Liturgie der römischen Kirche als von der „alten Messe" sprechen.

Diese Liturgie muß lebendig bleiben! Nicht nur als geduldetes museales Re­likt, sondern kräftig im Alltag der Kirche!

Bitten wir die treuen Priester inständig, wieder mit der alten Liturgie zu beginnen. Zunächst im Kleinen, viel­leicht mit einer Wochentagsmesse. Wir brauchen diese Liturgie, und die Priester brauchen sie auch; diese heilige Liturgie ist not-wendig für die Kirche. Versuchen wir mit Gottes Hilfe und auf die Fürbitte Marias, Beharrlichkeit und Festigkeit mit Demut und auch Klug­heit zu verbinden. Vergessen wir nicht: Der hl. Josef ist Schutzpatron der Kirche. Vertrauen wir unser Anliegen auch Pater Pio an; die Hl. Messe war der Mittelpunkt seines Lebens. Die wahre Erneuerung der Kirche wird viel Gebet, Opfer und auch entschlossenes Handeln brauchen. Beklagen wir uns nicht, wenn es uns nicht leicht gemacht wird. Die wahre Erneuerung der Kirche wird ein Kreuzweg sein, und wir sollen ihn bewußt gehen, zusammen mit unserem Herrn. Letztlich wird diese Erneuerung ein Geschenk Gottes sein.

 


Buchempfehlung

reflex

Gurtner, Michael (mag. theol.): Reflexionen zur Theologie der Liturgie
ISBN: 978‐3‐9523485‐6‐7
348 Seiten, Farbbilder
€ 26.80 / CHF 42.90

Fast 50 Jahre nach dem Zweiten Vaticanum müssen wir ernüchtert feststellen, dass anstatt des erhofften Aufbruchs zum Glauben hin ein allgemeiner Aufbruch vom Glauben weg stattgefunden hat. Nicht nur im Tabernakel haben wir Gott an den Rand der Kirche geschoben, sondern in unserem gesamten Denken“. Das Buch zeigt mit klaren Worten nach einer gründlichen Einführung in die Materie und einer differenzierten theoretischen Vorbetrachtung den praktischen Weg aus der liturgischen Sackgasse! Theologisch fundiert schlägt der Verfasser Mittel und Wege vor, um das Konzil in seiner Funktion und seinem Ursprungsziel in der Kontinuität der traditionellen Überlieferung auszulegen sowie zu leben, ohne den theologischen und liturgischen Reichtum unserer Kirche zu vergessen.

 

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