II. Vatikanisches Konzil
Auszüge aus
Sacrosanctum Concilium - Dekret über die Heilige Liturgie
Gerade in der heutigen Zeit, welche von liturgischen Irrungen und Wirrungen gekennzeichnet ist, berufen sich viele Modernisten, Neuerer und Liberale auf die Texte des II. Vatikanischen Konzils. Viel wird über dieses Konzil geredet, jedoch trifft man seltenst auf eine Textkenntnis seiner Dekrete. Aus diesem Grund, und um die oftmalige Verzerrung der Realität in das richtige Licht zu rücken, sollen hier gekürzte Auszüge aus dem Dekret "Sacrosanctum Concilium", welches sich mit der Liturgie auseinandersetzt, einzusehen sein.
Abgesehen von der Tatsache, dass jeder welcher die Tradition der Kirche verurteilt, gleichermaßen alle Heiligen und Kirchenväter verurteilt, die in den Riten der kirchlichen Tradition geheiligt worden sind (und das sind so gut wie alle die wir heutzutage verehren und um ihre Fürsprache anflehen), zeugt dieses Denken von einem völligen Fehlverständnis der Liturgie.
Liturgie ist das höchste, wertvollste und Kostbarste, dass wir Menschen besitzen. Sie ist Offenbarung Gottes, ein Geschenk des Herrn um unsere Seelen zu heiligen. Sie ist organisch gewachsen und 2000-jährig erprobt: eine heilige Gabe des Himmels. Wer meint, sie mit der Weisheit seines sicherlich nicht einmal 100 Jahre andauernden Lebens so verändern zu müssen, dass sie aus jeder Art des organischen Wachstums hinausgerissen wird, der lebt einen Hochmut aus, der Seinesgleichen sucht. Das II. Vatikanum ist, wie es der Heilige Vater immer wieder betont, ausschließlich im Lichte der Tradition zu verstehen, als organisches Wachstum innerhalb der Kirche. Nichts anderes steht in seinem Dekrekt über die Liturgie, nur von diesem damaligen Standpunkt der Konzilsväter (die bis zu diesem Moment ausschließlich die traditionellen Riten der Kirche zelebrierten) aus ist es möglich es wirklich zu verstehen.
Was heutzutage durch falsches Verständnis in der Praxis daraus gemacht wurde, steht auf einem anderen Blatt Papier. Von vielen Konzilsvätern kann man hören und lesen, dass die nachkonziliaren Früchte nicht das sind, was sie gewollt, geplant und erdacht hatten. So machen Sie sich selbst ein Bild und werfen Sie einen Blick in die so genannte "Grundlage" der heutigen Missstände; welche augenscheinlich in einer totalen Missinterpretation der Liturgietexte entspringen.
Realpräsenz des Herrn und größtmögliche Sorgfalt in den liturgischen Handlungen
7. Um dieses große Werk voll zu verwirklichen, ist Christus seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen. Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht - denn "derselbe bringt das Opfer jetzt dar durch den Dienst der Priester, der sich einst am Kreuz selbst dargebracht hat"-, wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so dass, wenn immer einer tauft, Christus selber tauft. Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: "Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20. Infolgedessen ist jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht.
Die Kirche muss die Tradition wahren
9. Denen aber, die schon glauben, muss sie immer wieder Glauben und Buße verkünden und sie überdies für die Sakramente bereiten. Sie muss sie lehren, alles zu halten, was immer Christus gelehrt hat, und sie ermuntern zu allen Werken der Liebe, der Frömmigkeit und des Apostolates.
Liturgie als Höhepunkt des kirchlichen und menschlichen Lebens
10. Dennoch ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt. Denn die apostolische Arbeit ist darauf hingeordnet, dass alle, durch Glauben und Taufe Kinder Gottes geworden, sich versammeln, inmitten der Kirche Gott loben, am Opfer teilnehmen und das Herrenmahl genießen.
Keine lauen Messen und sorgfältige Vorbereitung der Gläubigen
11. Damit aber dieses Vollmaß der Verwirklichung erreicht wird, ist es notwendig, dass die Gläubigen mit recht bereiteter Seele zur heiligen Liturgie hinzutreten, dass ihr Herz mit der Stimme zusammenklinge und dass sie mit der himmlischen Gnade zusammenwirken, um sie nicht vergeblich zu empfangen. Darum sollen die Seelsorger bei liturgischen Handlungen darüber wachen, dass nicht bloß die Gesetze des gültigen und erlaubten Vollzugs beachtet werden, sondern auch dass die Gläubigen bewußt, tätig und mit geistlichem Gewinn daran teilnehmen.
Die Messe muss verstanden werden
19. Die Seelsorger sollen eifrig und geduldig bemüht sein um die liturgische Bildung und die tätige Teilnahme der Gläubigen, die innere und die äußere, je nach deren Alter, Verhältnissen, Art des Lebens und Grad der religiösen Entwicklung. Damit erfüllen sie eine der vornehmsten Aufgaben des treuen Spenders der Geheimnisse Gottes. Sie sollen ihre Herde dabei nicht bloß mit dem Wort, sondern auch durch das Beispiel führen.
Keine Eigenmächtigkeiten in der Liturgie
22. § 1. Das Recht, die heilige Liturgie zu ordnen, steht einzig der Autorität der Kirche zu. Diese Autorität liegt beim Apostolischen Stuhl und nach Maßgabe des Rechtes beim Bischof.
§ 3. Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.
23. Schließlich sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es. Dabei ist Sorge zu tragen, dass die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen.
Der rechte Platz der Laien und Kleriker in der Liturgie
28. Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt.
29. Auch die Ministranten, Lektoren, Kommentatoren und die Mitglieder der Kirchenchöre vollziehen einen wahrhaft liturgischen Dienst. Deshalb muss man sie, jeden nach seiner Weise, sorgfältig in den Geist der Liturgie einführen und unterweisen, auf dass sie sich in rechter Art und Ordnung ihrer Aufgabe unterziehen.
Latein als Kirchensprache soll bewahrt bleiben
54. Der Muttersprache darf im Sinne von Art. 36 dieser Konstitution in den mit dem Volk gefeierten Messen ein gebührender Raum zugeteilt werden, besonders in den Lesungen und im "Allgemeinen Gebet" sowie je nach den örtlichen Verhältnissen in den Teilen, die dem Volk zukommen. Es soll jedoch Vorsorge getroffen werden, dass die Christgläubigen die ihnen zukommenden Teile des Mess-Ordinariums auch lateinisch miteinander sprechen oder singen können.
Keine Dauerberieselung der Gläubigen, Zeit zur Sammlung und zum Schweigen
30. Um die tätige Teilnahme zu fördern, soll man den Akklamationen des Volkes, den Antworten, dem Psalmengesang, den Antiphonen, den Liedern sowie den Handlungen und Gesten und den Körperhaltungen Sorge zuwenden. Auch das heilige Schweigen soll zu seiner Zeit eingehalten werden.
Gregorianischer Choral bzw. geistliche Lieder als Kirchenmusik ersten Ranges
116. Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen. Andere Arten der Kirchenmusik, besonders die Mehrstimmigkeit, werden für die Feier der Liturgie keineswegs ausgeschlossen, wenn sie dem Geist der Liturgie im Sinne von Art. 30 entsprechen.
Keine blasphemische Kunst in Sakralräumen
124. Bei der Förderung und Pflege wahrhaft sakraler Kunst mögen die Ordinarien mehr auf edle Schönheit bedacht sein als auf bloßen Aufwand. Das gilt auch für die heiligen Gewänder und die Ausstattung der heiligen Orte. Die Bischöfe mögen darauf hinwirken, dass von den Gotteshäusern und anderen heiligen Orten streng solche Werke von Künstlern ferngehalten werden, die dem Glauben, den Sitten und der christlichen Frömmigkeit widersprechen und die das echt religiöse Empfinden verletzen, sei es, weil die Formen verunstaltet sind oder weil die Werke künstlerisch ungenügend, allzu mittelmäßig oder kitschig sind. Beim Bau von Kirchen ist sorgfältig darauf zu achten, dass sie für die liturgischen Feiern und für die tätige Teilnahme der Gläubigen geeignet sind.
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Gurtner, Michael (mag. theol.): Reflexionen zur Theologie der Liturgie
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Fast 50 Jahre nach dem Zweiten Vaticanum müssen wir ernüchtert feststellen, dass anstatt des erhofften Aufbruchs zum Glauben hin ein allgemeiner Aufbruch vom Glauben weg stattgefunden hat. Nicht nur im Tabernakel haben wir Gott an den Rand der Kirche geschoben, sondern in unserem gesamten Denken“. Das Buch zeigt mit klaren Worten nach einer gründlichen Einführung in die Materie und einer differenzierten theoretischen Vorbetrachtung den praktischen Weg aus der liturgischen Sackgasse! Theologisch fundiert schlägt der Verfasser Mittel und Wege vor, um das Konzil in seiner Funktion und seinem Ursprungsziel in der Kontinuität der traditionellen Überlieferung auszulegen sowie zu leben, ohne den theologischen und liturgischen Reichtum unserer Kirche zu vergessen.











