Die heilige Taufe

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Die Taufe ist ein Ritus, der im Christentum seit der Zeit des Neuen Testaments und in fast allen christlichen Konfessionen den sichtbaren Eintritt in das Christentum markiert. Trotz aller Diskussionen und Spaltungen im Christentum verbindet die Taufe alle Christen untereinander - und hält sie zusammen ("geeint in Christus").

 

Etymologie

Das griechische Wort für taufen im Neuen Testament ist baptízein und bedeutet soviel wie ein- oder untertauchen. Es ist in diesem Sinne in der griechischen Literatur seit Platon (4. Jhd. v.Chr.) des öfteren belegt. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, kommt der Ausdruck baptízein nur viermal vor. Josephus verwendet den Begriff baptismós - Taufe - im Zusammenhang seines Berichtes über Johannes den Täufer. In der ersten germanischen Bibelübersetzung, der gotischen Bibel von Wulfila aus dem 4. Jahrhundert, wird baptizein mit daupjan übersetzt, das ebenso wie das griechische Wort „eintauchen“ bedeutet und durch die spezifische christliche Bedeutung „durch Untertauchen zum Christen machen“. Wie das gotische Wort gehen das altnordische deypa, das altenglische dyppan und das althochdeutsche toufen, alle etymologisch auf das Wort in neuhochdeutscher Wiedergabe „tief“ zurück. Das Wort Taufe wurde stark von der christlichen Tradition geprägt und wird deshalb meist mit Christliche Taufe gleichgesetzt. Da in anderen Religionen ebenfalls rituelle Handlungen mit Wasser erfolgen, ist zu beachten, dass (das Wort Taufe) nur mit größter Vorsicht auf außerchristliche Reinigungen oder Waschungen mit Wasser angewandt werden kann.

 

Vorformen

Die Taufe wird im Neuen Testament als etwas Bekanntes vorausgesetzt. Als mögliche Anknüpfungspunkte für die neutestamentliche Praxis des Taufens werden genannt:

 

Altes Testament

Der aussatzkranke Naeman taufte sich siebenmal im Jordan, auf Befehl des Propheten Elisa, um seine Krankheit zu heilen und körperliche Reinheit zurückzugewinnen (2.Kön. 5,14). Auch der Psalmist erwähnt sowohl eine innere Reinigung ("Entsündigung") mit Ysop als auch eine Waschung zur körperlichen Reinheit in Psalm 51,9 EU; in diesem Vers werden Waschung und die Vergebung von Sünde miteinander in Verbindung gebracht.

 

Judentum

Die Gemeinschaft von Qumran war nicht die einzige jüdische Glaubensgemeinschaft, die im Vergleich zur christlichen Taufe Gemeinsamkeiten in der Umkehrforderung, äußerer Reinigung, innerer Reinigung und Buße zeigte. Auch die Essener kannten ähnliche Riten. Die rituelle Waschung wurde im Namen Gottes vollzogen und regelmäßig, vermutlich sogar täglich, ausgeführt. Taufriten der jüdischen Gemeinschaften wurden von jedem für sich allein und ohne öffentliches Bekenntnis vorgenommen. Jedoch galt wohl die erste dieser Waschungen als offizielle Aufnahme eines Novizen. Im Talmud ist der regelmäßige Besuch des Mikwe-Bads zur Herstellung ritueller Reinheit vorgeschrieben. Auch ist ab der zweiten Hälfte des 1. nachchristlichen Jahrhunderts eine Proselytentaufe bezeugt.

Die Unterschiede der christlichen Taufe sind sowohl in der nur einmal vorgenommenen Taufe, als auch im öffentlichen Bekenntnis zu Jesus zu sehen. Zudem fehlt eine Person, die die Taufe durchführt. Dass Josephus die Vokabel ßapt?sµ?? nur für die Johannestaufe, nicht aber für die rituellen Waschungen der von ihm beschriebenen Sekten anwendet, zeigt, dass auch zur damaligen Zeit ein deutlicher Unterschied gesehen wurde.

 

Im Neuen Testament

Die so genannte Johannestaufe

Die erste Taufe, die im Neuen Testament erwähnt wird, ist die Taufe durch Johannes. Er erhielt deshalb auch den Beinamen Täufer. Die Johannes-Taufe geschah im Wasser des Jordan, war mit einem Sündenbekenntnis und innerer Umkehr (Buße) verbunden und hatte die Vergebung der Sünden zum Ziel (Mt 3,6 EU, Mk 1,4f EU, Lk 3,3ff).

Jesus ließ sich nach den übereinstimmenden Berichten der Evangelien von Johannes taufen. Auch einige der späteren Jünger und Apostel wurden von Johannes getauft und anschließend auf Jesus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt, aufmerksam gemacht. In der Folgezeit tauften nach Johannes 4,1ff sowohl Johannes selbst als auch die Jünger Jesu.

In Apostelgeschichte 19,1-7 wird berichtet, dass Paulus in Ephesus auf Jünger von Johannes dem Täufer traf. Nachdem sie von ihrer Johannes-Taufe berichtet hatten, erklärte Paulus ihnen, dass Johannes mit einer Taufe der Buße getauft und dazu aufgerufen habe, dass das Volk an den glauben solle, der nach ihm kommen werde; nämlich an Jesus Christus. Daraufhin ließen sich die Jünger des Johannes auf den Namen Jesus taufen.

 

Taufe in der Urgemeinde

Das Matthäus-Evangelium endet mit dem so genannten Tauf- oder Missionsbefehl Christi:

Matthäus 28,18-20

Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Die Taufformel „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ kommt nur in diesem im Evangelium enthaltenen "Taufbefehl", nicht aber in den Tauferzählungen der Apostelgeschichte und der Briefe des Paulus, vor. Dort, wo die Taufhandlung selbst näher beschrieben wird, lautet die Taufformel schlicht: „auf den Namen Jesu Christi“ (Apostelgeschichte 2,38; 8,16; 10,48; 19,5; Römer 6,3 und Galater 3,27).

In seiner Pfingstpredigt ruft Petrus öffentlich zur Taufe auf. Er verheißt denen, die umkehren und sich zur Vergebung der Sünden taufen lassen, dass sie den Heiligen Geist geschenkt bekommen:

Lukas 2,38+39

„Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“

Philippus predigte von Jesus Christus und die gläubig gewordenen ließen sich taufen (Apg 8,12). In Apostelgeschichte 8,31 wird der Kämmerer der äthiopischen Kandake von Philippus nach seinem biblischen Verständnis gefragt. Der Kämmerer antwortet mit: „...Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet“. Nachdem ihm das Evangelium von Jesus gepredigt wurde, wird er durch Philippus getauft.

Paulus lehrt im Römerbrief 6,3ff die Taufe als Begrabenwerden und Neuwerdung des Lebens. In seiner Lehre ist sie ein Nachvollzug des Begräbnisses und der Auferstehung Jesu. Dort findet sich ein bedeutsamer Beleg für die ursprüngliche Praxis der Taufe durch Untertauchen.

Die Taufe ist eng mit der Gabe des Heiligen Geistes verbunden. Johannes der Täufer wies auf Jesus Christus hin, der mit heiligem Geist und Feuer tauft (Mt. 3,11). Petrus verkündigte den Geistempfang als Folge der Taufe (Apg. 2,38f). Als der heilige Geist auf den ungetauften Hauptmann Kornelius und anderen Nichtjuden, die sich mit ihm versammelt hatten, fiel, überzeugte es die Judenchristen, dass auch Nichtjuden getauft werden dürfen, weil der heilige Geist auch auf sie ausgegossen wird (Apg. 10,45).

 

Wesen der Taufe

In der Taufe wird der Täufling gemäß der Lehre des Apostels Paulus in Christi Tod getauft und mit Christus „begraben in den Tod“. Der Vollzug der Taufe bezeichnet damit die sicht- und erlebbare Schwelle zwischen dem alten Sein des Menschen in der Sünde und dem neuen Sein seines Lebens in Christus. Ihr Wasser tötet und schenkt Leben zugleich. Mit ihr erhält der Getaufte Anteil an Christi Auferstehung (vgl. Römer-Brief, Kapitel 6 EU). Gleichzeitig wird er Teil des universalen Leibes Christi durch die Taufe im heiligen Geist (1.Korinther 12,13 EU). Die Taufe ist Ausdruck des göttlichen Versöhnungshandelns durch Kreuz und Auferstehung Christi. Wie dieses in Christus ein für allemal zum Heil der Welt geschehen ist, so geschieht auch die Taufe zum Heil des Täuflings und ist einer Wiederholung nicht bedürftig. Die Bibel lehrt jedoch in Apostelgeschichte 19,3-5 EU eine nochmalige Taufe, wenn nicht im Namen Jesu getauft wurde. Der Glaube muss zum Erlangen des Heils dazu kommen. Als Geschehen im Heiligen Geist macht sie ihn der Rechtfertigung teilhaftig und bezweckt zugleich den Wandel in einem neuen Leben, das von der Knechtschaft in die Freiheit der Kinder Gottes und von der Sünde in den Dienst der Gerechtigkeit und in die Heiligung führt.

Petrus erklärt dass in der Taufe nicht der Schmutz vom Leibe abgewaschen wird, sondern dass die Taufe die Bitte zu Gott um ein reines Gewissen ist, indem Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. (1. Petrusbrief 3,21 LUT)

 

Geschichtliche Entwicklung

Alte Kirche

Wer sich in den ersten Jahrzehnten des Christentums taufen ließ, tat dies wohl im Glauben daran, noch zu Lebzeiten die Wiederkunft Jesu Christi zu erleben. In der Taufe wurde der Täufling aus dem heidnischen Kontext herausgenommen und dem Machtbereich Jesu Christi unterstellt - was mit der Formulierung Taufe "in Christus Jesus hinein" gemeint ist. Und er wurde von ihm durch den Heiligen Geist "versiegelt" (Eph. 4,30 LUT) und in den Leib Christi eingegliedert (1.Kor 12,13 GNB). Oft ließ man sich mit seinem ganzen Haus taufen.

Immer verbunden mit der Taufe war das Glaubensbekenntnis, dessen älteste Formulierung - Kyrios Jesus - Jesus ist der Herr lautet (vgl. Röm. 10,9 NT).

Bei den Apostolischen Vätern verschob sich der Charakter der Taufe zu einem "gesetzlich verstandenen Eintrittsritus" in die Kirche. Während die biblischen Berichte die Taufe auf den Namen Jesu Christi kennen, folgte die frühe Kirche dem Taufbefehl Mt. 28, 19 und taufte auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In der Anfangszeit der Kirche wurden die Täuflinge nur zu Ostern getauft, um das Sterben und Auferstehen mit Jesus Christus zu verdeutlichen.

Im Urchristentum geschah die Taufe vermutlich durch vollständiges Untertauchen des Täuflings. Bis etwa zum 12. Jahrhundert war das Untertauchen durchaus eine übliche Taufform in der römischen Kirche. Als Nottaufe konnte die Taufe jedoch durch Besprengen bereits im zweiten Jahrhundert durchgeführt werden. Sie wurde in Situationen praktiziert, in denen das Untertauchen des Täuflings nicht möglich war (Krankheit, Todesgefahr, Verfolgung).

Erste Erwähnungen der Kindertaufe finden sich um 200 n. Chr. in der Hippolytischen Kirchenordnung (Baptismus infantium). Ihre Akzeptanz war jedoch umstritten. So bekämpfte Tertullian diese Praxis. Am Anfang des 3. Jahrhunderts vertraten Cyprianus und Tertullian die Ansicht, durch die Taufe werde die durch die Erbsünde zerstörte Gottebenbildlichkeit wiederhergestellt. Zwar reichte theoretisch der Glaube dazu aus wie bei den Aposteln, von denen die Bibel nicht berichtet, dass Jesus sie getauft hat, da jedoch Jesus den Befehl zur Taufe gegeben habe, bestehe für die Gläubigen ein Zwang zur Taufe. Dieselben Theologen stritten im Ketzertaufstreit darum, ob auch eine Taufe anzuerkennen sei, die nicht in einer mit dem katholischen Bischof verbundenen Gemeinde gespendet sei. Man einigte sich darauf, dass die trinitarisch Taufformel das entscheidende Element darstelle. Der Geistempfang, der ursprünglich mit der Taufe verbunden war, wurde zur selben Zeit - wohl als Reaktion auf eine gnostische Lehre von mehreren der jeweiligen Stufe der Erkenntnis entsprechenden Taufen - aus der Taufhandlung herausgenommen und durch eigene Handlungen, die Salbung mit Chrisma und die Handauflegung, ergänzt. Unter dem Einfluss der gleichzeitigen Mysterienkulte wurde der Taufritus um weitere Zeremonien (weißes Taufkleid, Absagung an den Teufel vor der Taufe) erweitert und als sacramentum verstanden. Dazu gehörte auch die vor der Taufe geübte Arkandisziplin, die es den Katechumenen, den Ungetauften, verbot, die Wandlung mitzuerleben.

Die Bezeichnung der Taufe als „Erleuchtung“ (griech. phôtismós) in der Alten Kirche stammt aus 2.Kor. 4,6 LUT. Der Begriff verdeutlicht, dass der Täufling aus der Finsternis des Unglaubens in das Licht des Glaubens und Erkennens eintritt.

Aurelius Augustinus sah in der Taufe das Handeln von Jesus als sichtbares Wort und unsichtbare Gnade, die in der sichtbaren Taufhandlung die Heilwirkung vollbringen. Die sakramentale Handlung prägt dem Täufling wie ein Stempel den Charakter des neuen Menschen ein. Augustin formulierte die Lehre von der Taufe als Heilmittel gegen die Erbsünde.

Ab dem 6.Jahrhundert konnte sich die Kindertaufe gegen alle Kritik durchsetzen.

Mittelalter

Die Scholastik wandte die aristotelische Formel von Materie (Taufwasser) und Form (Taufformel) auf Augustinus Lehre an. Thomas von Aquin beschrieb Gott als "Prinzipalursache" und das Taufwasser als "Instrumentalursache" der Gnadenwirkung zur Tilgung der Erbsünde. Als dritter Bestandteil einer gültigen Taufe gehört die Absicht (intensio) des Spender zu taufen dazu. Diese Lehre wurde 1439 in der Bulle Exsultate Deo verkündet und ist in der katholischen Kirche bis heute gültig. Folglich verbreitete sich im Mittelalter das Übergießen anstelle des Untertauchens. Schon in der frühmittelalterlichen fränkischen Kirche und sicher auch in Teilen Italiens war das Übergießen allerdings bereits früher gängige Praxis, wie die erhaltenen Bilddarstellungen seit dem 4. Jh. und die archäologischen Befunde zeigen.

In der orthodoxen Kirche bleibt es bis heute bei dem Verständnis der Taufe als des ersten Mysteriums, das den Empfang der folgenden Mysterien ermöglicht. Kyrill von Jerusalem beschreibt in seinen Katechesen an die Taufanwärter, wie der Täufling auf geheimnisvolle Weise Christi Leben und Sterben nachvollzieht. So symbolisiert das dreimalige Untertauchen die drei Tage Christi im Grab.

Die katholische Reaktion auf die evangelischen Tauflehren ist die Neuformulierung der scholastischen Lehre auf dem Konzil von Trient. Dort wurde erstmals beschlossen, die Kindertaufe zur Verpflichtung nach kirchlichem Verständnis zu machen. Sie sollte demnach die Aufnahme in die Religionsgemeinschaft symbolisch darstellen, nach der die Kinder allmählich durch die christliche Lehre "wissend" herangebildet werden sollten.

Gegenwart

Die Taufe der Gegenwart basiert in den verschiedenen christlichen Konfessionen auf derselben Grundlage. Im theologischem Verständnis der Taufe sind sie jedoch nicht einig. Diese führte unter anderem zu verschiedenen Ausführungsformen, Vorbedingungen und Annahmen der Folgen der Taufe.

 

Kindertaufe - Gläubigentaufe

In der Taufpraxis der Konfessionen wird zwischen verschiedenen Zeitpunkten, die Taufe zu vollziehen, unterschieden:

Erwachsenen- bzw. Gläubigentaufe

Die Gläubigentaufe wird in allen Kirchen praktiziert. Dabei begehrt der Täufling persönlich, die Taufe zu empfangen. Er bekennt sich in diesem Zusammenhang selbst öffentlich zu Jesus Christus. In einigen Kirchen, den sogenannten taufgesinnten Kirchen ist dies die einzig mögliche Form der Taufe. Ein Teil dieser Kirchen erkennt die Taufe von religionsunmündig getauften Christen beim Übertritt an, wenn diese ein Bekenntnis zu Jesus Christus ablegen und damit - gewissermaßen nachträglich - ihre Kindes- bzw. Säuglingstaufe gültig machen. Kindertaufen werden in diesen Kirchen aber nicht selbst durchgeführt. Andere taufgesinnte Kirchen sehen eine Säuglingstaufe als unbiblisch und daher als ungültig an und erwarten dass sich als Säuglinge getaufte Gläubige beim Übertritt (aus ihrer Sicht erstmals) taufen lassen.

Säuglings- bzw. Kindertaufe

Der größte Teil des Christentums praktiziert in der Regel die Kindertaufe. Hierbei bekennen Eltern und Taufpaten - stellvertretend für das Kind - ihren Glauben an Jesus Christus und versprechen eine christliche Erziehung des Kindes. In der Konfirmation / Firmung sollen in diesen Kirchen die als Kinder Getauften ihre Taufe dann eigenständig bestätigen, indem sie selbst ein Bekenntnis zu Jesus Christus ablegen.

Taufritus

Das wesentliche, äußerlich sichtbare Element der Taufe ist Wasser.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat in diesem Zusammenhang erklärt: „Man kann durch Untertauchen oder durch Übergießen taufen. Die Taufe durch Untertauchen ist besser geeignet, die Teilnahme am Tod und an der Auferstehung Christi auszudrücken. In unseren Verhältnissen wird es im allgemeinen bei der Taufe durch Übergießen bleiben.“ Die Ostkirchen halten allerdings auch bei Kleinkindern an der Taufe durch Untertauchen fest, führen sie aber erst durch, wenn das neugeborene Kind kräftig genug ist.

Die Täufer tauften bis auf wenige Ausnahmen noch durch Übergießen. Die Mennoniten (Ausnahme: Mennoniten-Brüdergemeinden), die in direkter Weise aus dieser Bewegung hervorgegangen sind, praktizieren ebenfalls diese Taufform. Die Baptisten führten im protestantischen Bereich die Taufe durch Untertauchen wieder ein. Sie wird heute in den meisten taufgesinnten Kirchengemeinschaften in dieser Form praktiziert.

Oft wird das Untertauchen oder Begießen dreimal hintereinander ausgeführt, um die drei Tage im Grab oder die Trinität zu symbolisieren.

Taufformel

Hinsichtlich der Taufformel gibt es in der Einleitungssequenz geringe Unterschiede, während der weitere Verlauf ..."Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" in den meisten Kirchen identisch ist.

In den römisch-katholischen und anglikanischen Kirchen wird die Einleitung mit den Worten N.N., ich taufe dich im..., gesprochen.

Die Taufformel ist die Übersetzung des rabbinischen - leschem - "im Namen". Im Talmud wird diese Wendung sowohl im finalen Sinne gebraucht als auch um eine Autorität auszudrücken. Im Neuen Testament weitet sich die Autorität des Gottesnamen auf Jesus aus.

Bei der Taufe im/auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes handelt es sich also darum,

Nottaufe

Die Taufe wird in der Regel von einem Geistlichen durchgeführt, im Notfall kann jedoch auch ein Laie eine gültige Taufe spenden. In der römisch-katholischen Kirche ist dies sogar durch einen Nichtchristen möglich.

 

Die Taufe in Gemeinden und Kirchen

Katholische Tauffeier

Die Taufe soll im normalen Gemeindegottesdienst stattfinden. Typischerweise wird an der entsprechenden Stelle im Gottesdienstablauf (vor oder nach der Predigt) zunächst ein Tauflied gesungen. Darauf folgt die Frage "Willst du getauft werden?", nach deren Bejahung das Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen wird.

Da in der heutigen Zeit in der Regel Säuglinge getauft werden, antworten für den Täufling die Eltern und Paten stellvertretend auf die Fragen nach dem Taufbegehren und dem Glaubensbekenntnis. Auf die Frage, ob sie auch gewillt sind, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen, erfolgt die Antwort „Ja, mit Gottes Hilfe!“. Auf die Frage des Liturgen „Wie heißt das Kind?“ wird der Name genannt. Ältere Täuflinge (meist ab dem Schulalter) werden stattdessen selbst gefragt, ob sie sich taufen lassen möchten.

Dann wird die Taufe vollzogen. Dazu kann eine Glocke geläutet werden.

Meist erhält der Täufling einen Taufspruch, der ihn auf seinem Lebensweg begleiten soll. In Erinnerung an das Jesuswort „Ich bin das Licht der Welt“ wird auch häufig eine Taufkerze an der Osterkerze entzündet und mit den Worten Empfange das Licht Christi übergeben, die der Täufling als Erinnerung mit nach Hause nimmt. Es folgt die Segnung des Täuflings bzw. der Eltern und Paten. Häufig begrüßt zum Abschluss ein Mitglied des Leitungsorgans (Kirchenvorstand bzw. Presbyterium) der Kirchengemeinde den Täufling als neues Gemeindeglied.

Die Taufe wird mitsamt dem Taufspruch in die Kirchenbücher eingetragen.

Im Falle der Säuglingstaufe gibt die spätere Firmung dem Täufling die Möglichkeit, selbst noch einmal seine Zugehörigkeit zum christlichen Glauben zu bekräftigen. Seit die Konfirmation / Firmung zunehmend nicht mehr als Voraussetzung für die Abendmahlsteilnahme verstanden wird, liegt bei ihr der Schwerpunkt wieder stärker auf dieser Bekräftigung.

Besonderheiten der katholischen Tauffeier

In der katholischen und orthodoxen Kirche geht dem Glaubensbekenntnis die Abrenuntiatio diaboli, die Absage an den Teufel und alle bösen Mächte, voran.

In der römisch-katholischen, orthodoxen und auf Wunsch auch in der anglikanischen Kirche folgt auf das Sakrament der Taufe das Sakrament der Salbung mit Chrisam; es verweist auf den Christus-Namen sowie auf die Salbung der Könige, Priester und Propheten im Alten Testament.

Es kann ggf. danach ein weißes Kleid (Taufkleid) überreicht werden, dass die unschuldige Reinheit des in der Taufe von der Sünde Befreiten (vgl. Weißer Sonntag) symbolisieren soll. Zum Schluss wird der Effata-Ritus vollzogen und für den Täufling gebetet.

Gültigkeit und wechselseitige Anerkennung

Die Gültigkeit einer Taufe hängt bei den meisten Kirchen nicht von der Konfession des Täuflings oder des Taufenden ab. Die Klärung dieser Frage erfolgte in der Geschichte der Alten Kirche im so genannten Ketzertaufstreit.

Von den meisten Kirchen anerkannt wird eine Taufe, die vollzogen ist

  • auf den Namen des dreieinigen Gottes (Ich taufe dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes),

  • durch Untertauchen oder Begießen mit Wasser,

  • mit der richtigen Intention des Taufenden. Die Intention muss aber lediglich darin bestehen zu tun, was die Kirche in der Taufe tut. Ein tiefer gehendes theologisches Verständnis der Taufe durch den Taufenden ist nicht nötig, er braucht nicht einmal Christ sein.

Auf dieser Grundlage wurde für Deutschland am 29. April 2007 die Magdeburger Erklärung unterzeichnet.

 

 

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